Nachfolge in der Familie oder externer Verkauf? Entscheidungshilfe für Unternehmer

Nachfolge in der Familie oder externer Verkauf: Familieninterne Nachfolge

Familiennachfolge – Chancen, Vorteile und typische Modelle
Warum viele Unternehmer die Familie bevorzugen
Wenn ich Familien begleite, höre ich häufig: “Ich will, dass das Lebenswerk in der Familie bleibt.” Verständlich. Für viele Unternehmer ist es ein großer Wunsch, das Unternehmen dauerhaft im Familienbesitz zu halten. Die Vorteile:
- Vertrauen und Werte: Der kulturelle Fit ist oft unschlagbar. Kunden und Mitarbeiter spüren Kontinuität.
- Langfristigkeit: Familien denken häufig in Generationen, nicht in Quartalen.
- Identifikation: Dein Nachfolger kennt Geschichte, Fehler, Stärken – und hat oft schon Beziehungen aufgebaut.
Bei der familieninternen Nachfolge stellen sich Unternehmer zahlreiche Überlegungen, etwa zur Auswahl des Nachfolgers, zur Sicherung des Familienbesitzes und zur optimalen Gestaltung des Übergabeprozesses. Häufig ist dabei der Sohn der typische Nachfolger, der das Unternehmen übernimmt und weiterführt. Die Auswahl eines geeigneten Familienmitglieds als Nachfolger ist entscheidend für den langfristigen Erfolg. Die Erbfolge nimmt bei der optimalen Gestaltung der Übergabe eine zentrale Rolle ein und dient als Orientierung, da sie die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen für die Nachfolge regelt.
Bei den verschiedenen Übergabemodellen ist eine offene Kommunikation und Abstimmung zwischen den Familienmitgliedern besonders wichtig, um Konflikte zu vermeiden und einen reibungslosen Generationswechsel zu gewährleisten.
Statistisch bleibt die Familie in DACH ein zentraler Erfolgsweg. In vielen Studien (u. a. KfW, WKO, Schweizer KMU-Studien) sind familieninterne Übergaben die häufigste Einzelkategorie, auch wenn der Anteil über die Jahre schwankt. Wichtig ist: Häufig heißt nicht automatisch passend – die Eignung muss stimmen.
Finanzielle und steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten
Das Geldthema ist der Elefant im Raum. Gute Gestaltung schafft Win-win
- Schenkung vs. Verkauf: In Deutschland gibt es unter bestimmten Bedingungen Begünstigungen nach §13a/§13b ErbStG für Betriebsvermögen (Stichworte: Verschonungsabschlag, Behaltens- und Lohnsummenregel). Das kann die steuerliche Belastung spürbar senken, verlangt aber Disziplin bei Fristen und Lohnsummen. Es gibt verschiedene Formen der Unternehmensübergabe, wie Verkauf, Schenkung des Betriebs, Verpachtung, Stiftung oder Mischformen, die jeweils unterschiedliche rechtliche und steuerliche Konsequenzen haben.
- Verkauf gegen Rente/Leibrente: Du sicherst dir planbare Cashflows, der Nachfolger schont Liquidität. Achtung: Renditelast und steuerliche Behandlung sauber prüfen – Liquiditätsengpässe vermeiden.
- Staffelungen: Schrittweise Anteilsübertragungen senken Risiko, erlauben Einarbeitung und halten die Steuer-/Finanzlast im Rahmen.
- Mischformen: Teilkaufpreis, Teil-Schenkung, Verkäuferdarlehen – all das kann die Finanzierung tragfähig machen.
Gerade im Falle der Verpachtung oder bei bestimmten Mischformen können steuerliche oder rechtliche Fallen lauern, die zu unerwarteten Belastungen führen.
Wichtig: Ich mache keine Rechts- oder Steuerberatung. Sprich früh mit deinem Steuerberater und einem spezialisierten Anwalt. Der Unterschied zwischen “ganz okay” und “sehr gut” liegt oft in der Struktur.
Typische Übergabemodelle innerhalb der Familie
Typische Übergabemodelle innerhalb der Familie werden in der Regel bevorzugt, da sie bewährte Abläufe und Planungssicherheit bieten:
- Einmaliger Kauf: Klarer Cut, schneller Eigentumswechsel. Sinnvoll bei kapitalstarken Nachfolgern oder externer Finanzierung.
- Schrittweise Anteilsübertragung: Du gibst z. B. 30%/30%/40% über 3–5 Jahre ab. Parallel wächst die operative Verantwortung.
- Management-by-Child: Dein Kind steigt zunächst als angestellter Geschäftsführer ein, beweist Führung, übernimmt später Anteile.
- Übergabe gegen Rentenzahlung: Planbare Rente, Eigentum beim Nachfolger. Achte auf Tragfähigkeit und steuerliche Implikationen.
In den verschiedenen Fällen der Unternehmensnachfolge müssen Unternehmer jeweils Entscheidungen fällen, welche Form der Übergabe am besten zu ihrer individuellen Situation passt.
Praxis-Checkliste: Voraussetzungen für eine erfolgreiche Familiennachfolge
- Hat der Nachfolger echtes Interesse und die fachliche Qualifikation?
- Führungserfahrung – idealerweise auch außerhalb des Familienbetriebs?
- Klare Rollen- und Aufgabenverteilung, inkl. Zeitplan und Meilensteine?
- Saubere Verträge: Gesellschaftsvertrag, Testamente, Erb- und Pflichtteilsregelungen, Vollmachten, Familiencharta
- Finanzierungsplan und Liquiditätscheck für dich: Reicht das, um deinen Lebensstandard zu halten?
- Transparenter Kommunikationsplan für Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten
- Governance-Regeln: Entscheidungswege, Konfliktlösungsmechanismen, Beiratssitzungen?
Diese Checkliste hilft dir dabei, alle relevanten Aspekte und Beteiligten bei der Nachfolgeplanung zu berücksichtigen. Wenn ich nur eine Sache empfehlen dürfte: Macht die Rollen klar. Nichts killt eine Familiennachfolge schneller als der Satz “Wir schauen mal.” Klare Definitionen der jeweiligen Rolle – sei es Geschäftsführung, Nachfolger oder Berater – sind entscheidend für einen reibungslosen Übergang und den nachhaltigen Erfolg der Unternehmensnachfolge.
Externer Verkauf

Externer Verkauf – Chancen, Vorteile und typische Käufer
Wer sind die typischen externen Käufer?
- Strategen: Wettbewerber oder Unternehmen aus der Wertschöpfungskette, die als Person oder juristische Person Marktanteile, Technologie oder Talente erwerben wollen.
- Finanzinvestoren/Private Equity: Kapitalstarke Personen oder Gesellschaften, prozessorientiert, häufig mit Buy-and-build-Strategie.
- Management-Buy-in (MBI): Externe Manager (Personen) kaufen sich ein und führen – gut, wenn du unternehmerische Kompetenz suchst.
- Management-Buy-out (MBO): Dein bestehendes Führungsteam (Personen aus dem Unternehmen) übernimmt – Mischung aus internem Wissen und Unternehmer-Mindset.
- Mitarbeiterkauf: Eher selten, aber in bestimmten Branchen eine Option (z. B. durch Genossenschaftsmodelle, bei denen mehrere Personen gemeinsam erwerben).
- Branchenfremde Investoren: Unternehmer oder Family Offices, bei denen einzelne Personen oder Personengruppen diversifizieren wollen.
Vorteile eines externen Verkaufs
- Häufig höherer Kaufpreis: Wettbewerb bei Bietern und Synergien bei Strategen treiben den Preis.
- Sofortige Liquidität: Höhere Cash-Komponente am Closing als bei manchen Familienmodellen.
- Wachstumskapital und Governance: Investoren bringen Kapital, Know-how und Prozesse, die den Laden aufs nächste Level heben.
- Professionalisierung: Reporting, KPIs, Aufsichtsstrukturen – das hebt die Organisation und mindert Einzelpersonenrisiken.
Risiken und Herausforderungen beim externen Verkauf
- Zeit und Nerven: Verkaufsprozesse dauern oft 6–18 Monate – mit intensiver Due Diligence.
- Kulturwandel: Neue Eigentümer = neue Spielregeln. Das kann knirschen.
- Restrukturierungen: Synergien kommen oft über Veränderungen – nicht alle Mitarbeiter bleiben an Bord.
- Earn-Out-Fallen: Wenn Kaufpreisbestandteile von künftigen Ergebnissen abhängen, brauchst du realistische KPIs und saubere Definitionen.
- Mitarbeiterfluktuation: Gerüchte und Unsicherheit kosten Talente – Kommunikation ist Chefsache.
- Deal-Risiken: Kaufpreis-Minderung bei Findings, MAC-Klauseln, Haftungszusagen – verhandle Schutzmechanismen.
Praxis-Checkliste: Vorbereitung für den externen Verkauf
- Finanzunterlagen in Ordnung: Jahresabschlüsse, BWA, Cashflow, Kundendaten, Verträge, IP, HR – sauber, aktuell, plausibel
- Vendor Due Diligence (optional): Eigene Vorabprüfung, um Überraschungen zu vermeiden
- Unternehmensbewertung: Externe Bewertung oder indikative Range; Know-how zu Multiplikatoren in deiner Branche
- Vertraulichkeitsmanagement: Teaser ohne Namen, NDA vor Informationsfreigabe, Datenraum
- Käuferauswahl: Finanzkraft, Referenzen, Integrationsplan, Standortstrategie, Umgang mit Mitarbeitern. Die sorgfältige Auswahl des Käufers ist entscheidend, um einen erfolgreichen und nachhaltigen Übergang sicherzustellen.
- Zeitrahmen und Meilensteine: Vorbereitung, Ansprache, Indikative Angebote (IOIs), Binding Offers, Signing, Closing
- Steuer- und Rechtsstruktur prüfen: Rechtsformwechsel nötig? Steuerbegünstigungen wie §34 EStG (Fünftelregelung bei Betriebsveräußerung), Behandlung von Veräußerungsgewinnen, mögliche Gewerbesteuer-Themen – frühzeitig klären
Ich sage es klar: Gute Vorbereitung verkürzt den Prozess, erhöht den Preis und senkt die Reibung. Unordnung kostet dich Prozente – immer.
Partner bei der Nachfolge: Wer unterstützt den Prozess?
Die Nachfolge im Unternehmen ist ein vielschichtiger Prozess, der weit mehr erfordert als nur die Auswahl eines Nachfolgers. Gerade für Familienunternehmen und mittelständische Betriebe ist es entscheidend, das eigene Lebenswerk in die richtigen Hände zu übergeben und die Zukunft des Unternehmens nachhaltig zu sichern. Um die zahlreichen Herausforderungen und Konsequenzen einer Unternehmensnachfolge zu meistern, empfiehlt es sich, auf die Unterstützung erfahrener Partner zu setzen.
Ein zentraler Partner im Nachfolgeprozess ist der Steuerberater. Er begleitet Unternehmer und Familie bei der steuerlichen Gestaltung der Nachfolgeregelung, prüft verschiedene Optionen wie Schenkung, Verkauf oder Mischformen und hilft, steuerliche Fallstricke zu vermeiden. So kann der Steuerberater dazu beitragen, dass das Unternehmen und das Familienvermögen optimal geschützt werden und die Nachfolge für alle Beteiligten finanziell tragfähig bleibt.
Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Rechtsanwalt. Er sorgt dafür, dass alle rechtlichen Anforderungen bei der Nachfolgeplanung und -umsetzung erfüllt werden – von Gesellschaftsverträgen über Testamente bis hin zu individuellen Nachfolgelösungen. Ein erfahrener Anwalt stellt sicher, dass die Interessen des Unternehmers, der Familie und des Nachfolgers rechtssicher geregelt sind und spätere Konflikte vermieden werden.
Für die strategische Ausrichtung und die Sicherung der Zukunft des Unternehmens kann ein Unternehmensberater wertvolle Impulse liefern. Er unterstützt bei der Entwicklung eines nachhaltigen Nachfolgekonzepts, begleitet die Auswahl und Einarbeitung des Nachfolgers und hilft, die Weichen für die nächste Generation zu stellen. Gerade bei komplexen Nachfolgeoptionen oder externen Nachfolgelösungen ist die Expertise eines Beraters oft entscheidend für eine erfolgreiche Umsetzung.
In Familienunternehmen spielen neben den wirtschaftlichen auch emotionale und zwischenmenschliche Aspekte eine große Rolle. Hier kann ein Familienberater helfen, die Kommunikation zwischen den Familienmitgliedern zu verbessern, Interessen auszugleichen und Konflikte frühzeitig zu lösen. So wird sichergestellt, dass die Nachfolge nicht nur wirtschaftlich, sondern auch im Sinne des Familienfriedens gelingt.
Darüber hinaus gibt es spezialisierte Dienstleister und Nachfolgeplattformen, die Unternehmer bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger oder Käufer unterstützen. Sie begleiten den gesamten Prozess – von der Auswahl potenzieller Kandidaten über die Verhandlungsführung bis hin zur Gestaltung individueller Nachfolgeregelungen. Gerade bei der externen Nachfolge oder beim Unternehmensverkauf sind diese Partner oft unverzichtbar, um die besten Lösungen für das Unternehmen und die Familie zu finden.
Die Einbindung erfahrener Partner minimiert Risiken, sorgt für eine strukturierte Umsetzung und hilft, die Herausforderungen der Nachfolge zu bewältigen. Wer frühzeitig mit der Planung beginnt und auf professionelle Unterstützung setzt, kann sicherstellen, dass das eigene Lebenswerk in gute Hände übergeht und das Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich bleibt. Die Nachfolge ist ein entscheidender Schritt in der Lebensplanung eines Unternehmers – und mit den richtigen Partnern an der Seite gelingt dieser Schritt deutlich leichter und nachhaltiger.
Praktischer Umsetzungsplan

Steuerliche und finanzielle Aspekte vergleichen
Familiennachfolge: typische steuerliche Vorteile und Fallen
Die Nachfolgeplanung in Familienunternehmen zielt darauf ab, das Lebenswerk des Unternehmers zu erhalten und sowohl den ideellen als auch den finanziellen Wert an die nächste Generation weiterzugeben.
- Begünstigungen nutzen: In Deutschland können Betriebsvermögen unter §13a/§13b ErbStG bei Einhaltung von Behaltens- und Lohnsummenregelungen ganz oder teilweise verschont werden. Das kann enorm helfen – aber die Lohnsummenklausel kann bei Personalabbau nachträglich weh tun.
- Liquidität im Blick: Renten- oder Versorgungsmodelle müssen zur Ertragskraft passen. Sonst erdrückt die Verpflichtung den Nachfolger.
- Bewertung und Dokumentation: Ein plausibles Bewertungsgutachten stützt Schenkungs-/Kaufpreise – Streit mit dem Fiskus vermeidest du so am besten. Die Nachfolgeproblematik zeigt sich hier besonders bei der steuerlichen und finanziellen Planung, da unterschiedliche Optionen und deren Auswirkungen sorgfältig abgewogen werden müssen.
Externer Verkauf: steuerliche Effekte des Verkaufs
- Einmaliger Verkaufserlös: Je nach Rechtsform fällt Einkommen- oder Körperschaftsteuer an. Bei natürlichen Personen kann §34 EStG (begünstigte Besteuerung, Fünftelregelung) für Betriebsveräußerungen greifen. Bei einem Unternehmensverkauf sind insbesondere die steuerlichen Besonderheiten und Gestaltungsmöglichkeiten im Rahmen der Nachfolgeregelung zu beachten.
- Struktur macht den Unterschied: Share Deal vs. Asset Deal, Holding-Struktur, Ratenzahlungen – die Struktur verändert die Steuerlast oft deutlich.
- Vorsicht mit Earn-Outs: Spätere Kaufpreisbestandteile haben eigene steuerliche Logik. Unsaubere Formulierungen = teure Überraschungen.
Finanzierungsperspektiven
- Finanzierung des Kaufpreises: Kombinationen aus Eigenkapital, Bankkrediten, Förderdarlehen (z. B. KfW), Verkäuferdarlehen und Earn-Outs sind üblich. Eine solide Finanzierung ist entscheidend für den nachhaltigen Fortbestand des Betriebs, insbesondere bei der Unternehmensnachfolge.
- Bankenanforderungen: Businessplan, integrierte Planung, Covenants, Sicherheiten. Wer hier sauber liefert, bekommt bessere Konditionen.
- Mein Tipp: Erarbeite 2–3 tragfähige Finanzierungsvarianten und stresse sie mit Szenarien. Banken lieben Substanz – und du auch.
Entscheidungs-Tool: Scorecard für die Entscheidung “Familie vs. Extern”
Ziel der Scorecard
Zur Entscheidung im Konflikt Familie vs. Extern kann eine kompakte Scorecard herangezogen werden, mit der du innerhalb von 15–30 Minuten eine fundierte erste Richtung bekommst. Bei der Wahl zwischen familieninterner und externer Nachfolge spielen strategische Überlegungen eine zentrale Rolle, da verschiedene Faktoren und Optionen sorgfältig abgewogen werden müssen. Du bewertest Kriterien von 0 bis 3 Punkten (0 = überhaupt nicht erfüllt, 3 = voll erfüllt). Am Ende liest du aus der Punktzahl deine Tendenz ab.
Die Kriterien (0–3 Punkte je Kriterium)
- Nachfolger-Qualifikation (fachlich)
- Nachfolger-Qualifikation (Führung)
- Nachfolger-Motivation/Commitment
- Dein Liquiditätsbedarf in den ersten 5–10 Jahren nach Ausstieg
- Wachstumspotenzial des Unternehmens (organisch/M&A)
- Marktinteresse/Attraktivität für Fremdkäufer (Deal-Pipeline, Benchmark-Multiplikatoren)
- Steuerliche Optimierungsmöglichkeiten bei familieninterner Übergabe
- Zeitrahmen bis zum geplanten Ausstieg (je kürzer, desto eher extern)
- Mitarbeiterbindung und Bedeutung der Unternehmenskultur
- Deine Bereitschaft loszulassen und Kompromisse einzugehen
- Verfügbarkeit externer Käufer/Kontakte (Warmkontakte, Beraternetz)
- Risikoaversion gegenüber Restrukturierungen und Kulturwandel
Jede dieser Entscheidungen hat spezifische Konsequenzen für die Unternehmensnachfolge, die sorgfältig abgewogen und mit Experten abgestimmt werden sollten.
Auswertung
- 0–18 Punkte: Externer Verkauf wahrscheinlich vorteilhafter. In dieser Auswertung wird deutlich, dass die Variante des externen Verkaufs gegenüber anderen Varianten der Nachfolgelösung meist mehr Vorteile bietet.
- 19–30 Punkte: Beide Wege möglich – vertiefte Analyse und Gespräche empfohlen
- 31–36 Punkte: Familiennachfolge wahrscheinlich empfehlenswert
Mini-Beispiel
Ein Metallbau-Unternehmen, 80 Mitarbeiter, starke regionale Marke. Die Bewertung fällt wie folgt aus: 1: 3, 2: 2, 3: 3, 4: 1, 5: 2, 6: 2, 7: 3, 8: 2, 9: 3, 10: 2, 11: 1, 12: 2. Summe: 26 Punkte. Interpretation: Beide Wege sind offen. In diesem Fall wurden parallel zwei Pfade gestartet: Tochter als Co-Geschäftsführerin, gleichzeitig diskrete Käuferansprache. Am Ende wurde es eine familieninterne Übergabe mit Verkäuferdarlehen – Steuervorteile genutzt, Kultur erhalten, Investitionsplan gesichert. Jeder Schritt im Entscheidungsprozess wurde sorgfältig abgewogen, um die optimale Lösung für das Unternehmen zu finden.
Konkreter Fahrplan: Von der Entscheidung zur Umsetzung
Arbeite mit einem 5-Phasen-Plan. Die Zeitfenster sind Erfahrungswerte – je früher, desto besser. Ein strukturiertes Vorgehen ist dabei entscheidend, um den Nachfolgeprozess erfolgreich und reibungslos zu gestalten.
- Vorbereitungsphase (ideal 5–10 Jahre)
- Unternehmer: Zielbild, Alters- und Liquiditätsplanung, potenzielle Nachfolger identifizieren
- Nachfolger: Weiterbildung, externe Erfahrung sammeln, Projektverantwortung übernehmen
- Berater: Quick-Check Organisation, Finanz- und Steuer-Precheck, Governance-Rahmen
- Bank/Förderinstitute: Frühe Gespräche zu Finanzierungsfähigkeit
- Entscheidungsphase (2–5 Jahre)
- Unternehmer: Scorecard anwenden, Bewertung beauftragen, steuerliche Varianten prüfen
- Berater/Steuerberater/Rechtsanwalt: Strukturvorschläge, Term-Sheets, Risikoanalyse
- Nachfolger: Eignungsdiagnostik, Führungs-Assessment, Entwicklungsplan
- Übergangsphase (1–3 Jahre)
- Operative Einarbeitung des Nachfolgers bzw. Käufer-Onboarding
- Verträge finalisieren, Finanzierung sichern, Datenraum
- Change- und Kommunikationsplan aufsetzen
- Abschlussphase (0–6 Monate)
- Signing/Closing beim Notar, Kaufpreisfluss, Übergabe von Vollmachten
- Kommunikation an Belegschaft, Kunden, Lieferanten, Presse (wo sinnvoll)
- Nachbereitung (1–3 Jahre)
- Monitoring KPIs, Earn-Out-Controlling (falls vereinbart), Beiratssitzungen
- Rückzugsregeln leben: Mentorenrolle ja, operative Einmischung nein
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Eine erfolgreiche Nachfolgeregelung stellt einen hohen Anspruch an alle Beteiligten – sowohl in organisatorischer, rechtlicher als auch emotionaler Hinsicht.
- Zu spät anfangen: Starte mit der Planung, wenn es gut läuft – nicht erst, wenn du müde bist.
- Emotion schlägt Excel: Lass eine externe Bewertung erstellen und kalibriere deinen Preisanspruch.
- Unklare Rollen in der Familie: Schriftliche Vereinbarungen, Familiencharta, Mediationsklausel – beugt Konflikten vor.
- Keine Käufer-Due-Diligence: Referenzen einholen, Track Record prüfen, Finanzierung nachweisen lassen.
- Schweigen im Betrieb: Baue einen Kommunikationsfahrplan – Unsicherheit kostet Talente.
- Steuer nur am Ende: Hole Steuerberater und Anwalt früh rein. Struktur vor Preis!
- Einseitige Finanzierung: Vermeide zu hohe Renten/Earn-Outs ohne Absicherung. Besser: Mix mit Verkäuferdarlehen und Bank.
- Kein Coaching für den Übernehmer: Budgetiere Mentoring und Leadership-Coaching – das zahlt sich aus.
- Datenchaos: Dokumente, Verträge, IP, Datenschutz – bring Ordnung rein, bevor es der Käufer tut.
- Alles allein machen: Gute M&A- und Nachfolgeberater zahlen sich durch besseren Preis und weniger Friktion aus.
Nützliche Ressourcen, Plattformen und Ansprechpartner
- Deutschland: IHK/HWK Nachfolgeberatung, KfW-Förderprogramme (z. B. ERP-Gründerkredit, Unternehmerkredit), Nachfolgeplattformen. Eine umfassende Information und ein offener Dialog innerhalb der Familie sind bei der Nachfolgeplanung besonders wichtig, um Konflikte zu vermeiden und eine reibungslose Übergabe zu gewährleisten.
- Österreich: WKO Nachfolgebörse, aws-Förderungen, Hausbankgespräche.
- Schweiz: KMU-Portal (admin.ch) mit Nachfolge-Dossiers, kantonale Standortförderungen, Bürgschaftsorganisationen.
- Unternehmensbörsen/M&A: Nachfolge.de, DUB-Unternehmensbörse, Branchenverbände, spezialisierte M&A-Boutiquen.
- Dienstleister: Steuerberater mit Nachfolge-Expertise, Fachanwälte Gesellschafts- und Erbrecht, zertifizierte Unternehmensbewerter (z. B. öffentlich bestellte Sachverständige), Nachfolge-Coaches.
- Quellenhinweise: KfW Research – Nachfolgemonitor Mittelstand; WKO – Unternehmensnachfolge; KMU-Portal admin.ch – Nachfolge; nexxt-change.org; DUB-Unternehmensbörse: dub.de; Statista; Studien von Banken/Instituten (z. B. Credit Suisse zu Schweizer KMU). Weitere Informationen und ergänzende Details zu Nachfolgelösungen finden Sie über die genannten Ressourcen.
FAQs
FAQs zur Unternehmensnachfolge
Fragen spielen im Nachfolgeprozess eine zentrale Rolle, da sie helfen, Unsicherheiten zu klären und die passende Nachfolgeregelung für das eigene Lebenswerk zu finden.
- Wann sollte ich mit der Nachfolgeplanung anfangen? Idealerweise 5–10 Jahre vor dem geplanten Ausstieg. Klingt lang, aber es schafft Optionen: Qualifizierung, Struktur, Steuern, Finanzierung. Je früher, desto stressfreier – und wer früh startet, erzielt erfahrungsgemäß bessere Preise. Die rechtzeitige Nachfolgeregelung ist entscheidend für den Erhalt des Unternehmens und die Sicherung der Zukunft.
- Welche steuerlichen Vorteile hat die Familiennachfolge konkret? In Deutschland können nach §13a/§13b ErbStG Teile des Betriebsvermögens bei Schenkung/Erbschaft verschont werden, wenn Lohnsummen- und Behaltensregeln eingehalten werden. Lass dir vom Steuerberater konkrete Szenarien rechnen – die Details machen den Unterschied. Die Lebenspläne der potenziellen Nachfolger sollten dabei ebenso berücksichtigt werden wie die Bedeutung des Familienbesitzes für die Nachfolge.
- Wie finde ich einen seriösen externen Käufer? Nutze einen strukturierten Prozess: Anonymen Teaser an qualifizierte Käufer schicken, NDA, Datenraum, indikative Angebote. Prüfe Referenzen, Finanzierung und Integrationsplan. Ein erfahrener M&A-Berater filtert Trittbrettfahrer raus. Die Suche nach einer externen Nachfolge ist eine besondere Herausforderung, wenn keine familieninterne Lösung zur Verfügung steht.
- Was ist ein Earn-Out und wann ist er sinnvoll? Ein Earn-Out ist ein variabler Kaufpreisanteil, der von zukünftigen Ergebnissen abhängt. Sinnvoll bei Bewertungsdifferenzen oder Wachstumsstorys – aber nur mit klaren KPIs, sauberer Definition (EBIT/EBITDA), realistischen Budgets und Mitspracherechten für dich in der Übergangszeit. Earn-Outs können Teil verschiedener Nachfolgelösungen sein und helfen, die Interessen von Seniorunternehmer und Nachfolger auszugleichen.
- Wie bewerte ich, ob mein Kind für die Nachfolge geeignet ist? Kombiniere Leistungsbelege (Ausbildung, externe Erfahrung), Führungspotenzial (Assessment, 360°-Feedback) und Motivation (Will es das wirklich?). Starte mit klaren Zielen und Zwischenetappen. Wenn Zweifel bleiben, ist eine Co-Geschäftsführung auf Zeit ein guter Test. Die Lebenspläne des Nachfolgers und die Bereitschaft, das Lebenswerk fortzuführen, sind dabei zentrale Fragen. Auch der Erhalt des Familienbesitzes spielt eine wichtige Rolle. In unterschiedlichen Fällen müssen Unternehmer wichtige Entscheidungen fällen, um die Unternehmensübergabe rechtlich und organisatorisch optimal zu gestalten.
- Kann ich Teilverkäufe (z. B. 51%/49%) zur Risikominimierung nutzen? Ja. Teilverkäufe oder schrittweise Übergaben sind gängig. Sie reduzieren Risiko für beide Seiten und ermöglichen Einarbeitung. Achte auf klare Regelungen zu Kontrolle, Veto-Rechten, Exit-Optionen und Bewertungsklauseln für spätere Tranchen. Solche Modelle bieten besondere Flexibilität und können bei Nachfolgeproblematiken, wie fehlender interner Nachfolge, eine Lösung sein.
- Was kostet eine professionelle Nachfolgeberatung ungefähr? Die Spanne ist groß. Für KMU rechne grob mit 2–6% vom Kaufpreis bei M&A-Mandaten plus Fixhonorare für Vorbereitung. Bei familieninternen Lösungen eher Tagessätze/Projektbudgets. Gute Beratung amortisiert sich oft durch besseren Preis und weniger Reibungsverluste. Die Gründe für die Wahl einer bestimmten Nachfolgelösung sollten immer individuell geprüft werden, wobei alle verfügbaren Optionen und die Zukunftsperspektive des Unternehmens zu berücksichtigen sind.
