Private Equity: Wie Fonds Unternehmen kaufen, entwickeln und wieder verkaufen

Thomas Passeyrer
Thomas Passeyrer
10.09.2026
9 Min. Lesezeit
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Wenn du Private Equity in dein Unternehmen holst, verkaufst du Anteile, holst einen Miteigentümer an Bord, der Kapital einsetzt, den Unternehmenswert steigern will und bereits beim Einstieg darüber nachdenkt, wie er seine Beteiligung später wieder verkauft. Das muss dir klar sein.

Wir zeigen dir deshalb die Vor- und Nachteile von Private Equity, was zu beachten ist und welche Formen es gibt.

Private Equity im Schnellcheck

  • Du erhältst Eigenkapital und je nach Transaktion zusätzlich private Liquidität.
  • Der Fonds erhält Anteile, Informationsrechte und meistens Einfluss auf wichtige Entscheidungen.
  • Rendite entsteht nicht aus einer festen Rückzahlung, sondern aus dem späteren Verkauf der Beteiligung.
  • Wachstum, Margenverbesserung, Zukäufe und Schuldenabbau können den Wert erhöhen.
  • Minderheit, Mehrheit und vollständige Übernahme sind möglich.
  • Der höchste Kaufpreis ist nicht automatisch das beste Angebot. Entscheidend sind Finanzierung, Kontrollrechte und Exit-Regeln.

Private Equity bei Unternehmenskauf und Verkauf

Private Equity bedeutet zunächst privates Beteiligungskapital. Denn eine Private-Equity-Gesellschaft sammelt Kapital von Investoren ein und investiert dieses über einen Fonds in nicht börsennotierte Unternehmen.

Anders als ein (normaler) Käufer möchte sie das Unternehmen normalerweise nicht dauerhaft behalten. Sie investiert mit dem Ziel, den Unternehmenswert zu steigern und die Beteiligung später wieder zu verkaufen.

Wie funktioniert Private Equity beim Unternehmenskauf?

Nehmen wir folgendes Szenario: Ein Unternehmen kostet 20 Millionen Euro. Der Private-Equity-Fonds muss diese 20 Millionen nicht vollständig aus eigenem Kapital bezahlen. Eine vereinfachte Finanzierung könnte beispielsweise so aussehen:

  • 9 Millionen Euro Eigenkapital des PE-Fonds
  • 11 Millionen Euro Bank- und weiteres Fremdkapital
  • 20 Millionen Euro Kaufpreis

Das ist das Grundprinzip eines Leveraged Buy-outs, kurz LBO.

Ein Teil des Unternehmenskaufs wird mit Fremdkapital finanziert. Solche Kombinationen aus Private Equity und Fremdkapital gehören seit Langem zum klassischen Buy-out-Modell. Der Investor versucht beispielsweise, Margen zu verbessern, das Management auszubauen, neue Märkte zu erschließen oder weitere Unternehmen hinzuzukaufen.

Steigt der Unternehmenswert beispielsweise von 20 auf 30 Millionen Euro und sind beim späteren Verkauf nur noch 6 Millionen Euro Finanzschulden vorhanden, bleiben rechnerisch 24 Millionen Euro Eigenkapitalwert.

Was ist Private Equity?

Private Equity bedeutet privates oder außerbörsliches Beteiligungskapital. Ein Investor stellt einem nicht börsennotierten Unternehmen Eigenkapital zur Verfügung und erhält dafür Unternehmensanteile. Er wird damit nicht zum Kreditgeber, sondern zum Mitgesellschafter.

„Private“ kann 5 bis 80 Prozent Übernahme bedeuten

Das Wort beschreibt zunächst nur, dass die Beteiligung nicht über eine öffentliche Börse gehandelt wird. Der Investor verhandelt direkt mit den bisherigen Eigentümern. Dabei kann er 20 Prozent übernehmen, 80 Prozent kaufen oder das gesamte Unternehmen erwerben. Wie viel Kontrolle er tatsächlich erhält, entscheidet sich jedoch nicht allein an der Beteiligungsquote.

Der Beteiligungsvertrag entscheidet mit

Ein Investor mit 30 Prozent kann Vetorechte für Budget, Finanzierung, Geschäftsführerbestellung, Zukäufe oder einen späteren Verkauf erhalten. Umgekehrt kann ein Mehrheitsinvestor dem bisherigen Inhaber operative Freiheit lassen. Wer nur auf die Prozentzahl schaut, übersieht deshalb häufig den wichtigeren Teil des Deals. Die tatsächliche Macht steht im Vertrag und in der Geschäftsordnung.

Gut zu wissen: Private Equity ist kein Bankkredit

  • Bei einem Bankkredit leiht dir die Bank Geld. Du bleibst Eigentümer des Unternehmens, musst den Kredit aber verzinsen und nach einem vereinbarten Tilgungsplan zurückzahlen. Die Bank verdient hauptsächlich an den Zinsen und möchte ihr Verlustrisiko durch Bonitätsprüfung, Covenants und häufig Sicherheiten begrenzen.
  • Bei Private Equity stellt ein Investor dagegen Eigenkapital bereit und erhält dafür Unternehmensanteile. Investiert ein PE-Fonds beispielsweise 4 Millionen Euro für 40 Prozent der Anteile, musst du diese 4 Millionen nicht wie einen Kredit in festen Raten zurückzahlen.

Wie funktioniert ein Private-Equity-Fonds?

Ein Private-Equity-Fonds investiert normalerweise nicht einfach das eigene Geld einer Beteiligungsgesellschaft. Vereinfacht funktioniert das so:

  1. Eine Private-Equity-Gesellschaft legt einen Fonds auf und wirbt beispielsweise 500 Millionen Euro Kapitalzusagen ein.
  2. Das Geld stammt etwa von Pensionsfonds, Versicherungen, Family Offices, Stiftungen oder vermögenden Investoren.
  3. Diese Kapitalgeber werden als Limited Partners, kurz LPs, bezeichnet.

Die Private-Equity-Gesellschaft übernimmt als General Partner beziehungsweise Fondsmanager die eigentliche Arbeit. Die 500 Millionen Euro werden dabei nicht zwingend sofort vollständig überwiesen. Investoren geben zunächst Kapitalzusagen ab. Findet der Fonds ein geeignetes Unternehmen, wird ein Teil dieses Kapitals über einen sogenannten Capital Call abgerufen.

Private-Equity-Fonds haben einen Exit-Point

Ein Private-Equity-Fonds kauft ein Unternehmen normalerweise nicht, um es dauerhaft zu besitzen. Bereits beim Einstieg spielt die Frage eine Rolle, wie und zu welchem Wert die Beteiligung später wieder verkauft werden kann. Dieser spätere Verkauf wird als Exit bezeichnet.

Typische Haltedauern liegen häufig bei ungefähr vier bis sieben Jahren, auch wenn Beteiligungen deutlich früher oder später verkauft werden können. In dieser Zeit versucht der Fonds, den Unternehmenswert zu steigern, beispielsweise durch Wachstum, höhere Margen, Zukäufe, Professionalisierung des Managements oder den Abbau von Schulden.

Warum hat ein Private-Equity-Fonds eine Laufzeit?

Diese Zeit wird grob in zwei Phasen aufgeteilt. In den ersten Jahren sucht und kauft der Fonds Unternehmen. Danach rückt zunehmend die Entwicklung und der Verkauf der Beteiligungen in den Vordergrund. Das erklärt auch, warum ein PE-Fonds nicht einfach sagen kann: „Das Unternehmen läuft hervorragend, wir behalten es für immer.“

Angenommen, ein Fonds wurde 2024 aufgelegt und kauft 2027 dein Unternehmen. Wenn der Fonds um 2034 auslaufen soll, muss der Fondsmanager rechtzeitig einen Weg finden, seine Beteiligung wieder zu Geld zu machen und die Erlöse an seine Investoren zurückzuführen.

Wie kauft ein Fonds ein Unternehmen?

Am einfachsten versteht man einen Private-Equity-Kauf an einer konkreten Transaktion. Stell dir vor, ein Fonds möchte einen profitablen Mittelständler für 8 Millionen Euro übernehmen. Das Unternehmen erwirtschaftet ein bereinigtes EBITDA von 1,2 Millionen Euro. Der Kaufpreis entspricht damit ungefähr dem 6,7-Fachen des EBITDA.

Der Fonds bezahlt diese 8 Millionen Euro aber normalerweise nicht vollständig aus eigenem Kapital. Stattdessen kombiniert er eigenes Kapital mit Fremdkapital.

Die Finanzierung könnte so aussehen

KapitalquelleBetragWirtschaftliche Rolle
Eigenkapital des Fonds3 Mio. €trägt das erste Verlustrisiko
Bank- und Akquisitionsdarlehen5 Mio. €wird aus dem künftigen Cashflow bedient
Gesamter Kaufpreis8 Mio. €vereinfachter Unternehmenswert

Der Fonds investiert also selbst 3 Millionen Euro und finanziert weitere 5 Millionen Euro über Kredite. Diese Struktur nennt man Leveraged Buyout, kurz LBO.

Der Fonds kontrolliert ein Unternehmen im Wert von 8 Millionen Euro, obwohl er selbst nur 3 Millionen Euro Eigenkapital eingesetzt hat. Damit das funktioniert, muss das gekaufte Unternehmen genügend Cashflow erwirtschaften, um Zinsen und Tilgung der 5 Millionen Euro Fremdkapital zu tragen.

So kann es sein, dass der Fonds das Unternehmen fünf Jahre lang weiterbringt. Das EBITDA steigt von 1,2 auf 1,6 Millionen Euro. Gleichzeitig wurden die Schulden von 5 auf 3 Millionen Euro reduziert. Wird das Unternehmen anschließend wieder für beispielsweise 10 Millionen Euro verkauft, bleiben nach Abzug der 3 Millionen Euro Schulden rechnerisch 7 Millionen Euro Eigenkapitalwert übrig.

Minderheit, Mehrheit oder vollständiger Verkauf?

Private Equity bedeutet nicht automatisch, dass du dein gesamtes Unternehmen abgibst. Du kannst eine Minderheit verkaufen, die Mehrheit übertragen oder vollständig aussteigen. Diese drei Varianten unterscheiden sich nicht nur beim sofortigen Kaufpreis. Sie verändern auch Kontrolle, persönliches Risiko und deine Beteiligung an einem späteren Exit.

Die Varianten im Vergleich

StrukturSofortige LiquiditätKontrolleSpäterer Wertzuwachs
Minderheitsbeteiligungeher geringerformal höher, oft Vetorechte des Fondsgroßer Anteil bleibt bei dir
Mehrheitsverkaufmittel bis hochFonds kontrolliert Grundsatzentscheidungenhäufig Rückbeteiligung möglich
Vollständiger Verkaufam höchstenendet oder bleibt nur befristetnormalerweise keine Beteiligung

Minderheit bedeutet nicht automatisch Freiheit

Ein Fonds kann auch bei 30 Prozent umfangreiche Zustimmungsvorbehalte verlangen. Budget, neue Kredite, Investitionen, Geschäftsführerwechsel oder Ausschüttungen können zustimmungspflichtig werden. Wenn du eine Minderheit verkaufen möchtest, musst du deshalb nicht nur die Quote verhandeln. Du musst festlegen, welche Entscheidungen im Alltag tatsächlich bei dir bleiben.

Warum viele Fonds Mehrheiten bevorzugen

Eine PwC-BVK-Befragung zeigt den grundlegenden Konflikt deutlich. 54 Prozent der befragten Familienunternehmen bevorzugten eine Minderheitsbeteiligung, während 85 Prozent der befragten Private-Equity-Gesellschaften eine Mehrheit anstrebten. Der Grund ist nachvollziehbar. Wer Finanzierung, Wertsteigerungsplan und Exit verantwortet, möchte bei wesentlichen Entscheidungen nicht blockiert werden.

Was kostet Private Equity?

Bei Private Equity gibt es keinen Zinssatz wie bei einem Bankkredit. Der Investor stellt Eigenkapital bereit und erwartet dafür eine Beteiligung am Unternehmen und eine entsprechend hohe Rendite.

Bei Buyout-Fonds werden häufig langfristige Zielrenditen im Bereich von 15 bis 25 Prozent IRR pro Jahr angestrebt. Das bedeutet allerdings nicht, dass du dem Fonds jedes Jahr 20 Prozent überweisen musst. Die Rendite entsteht überwiegend durch den späteren Verkauf der Beteiligung.

Wie läuft ein Private-Equity-Deal ab?

Gehen wir davon aus, du möchtest dein Unternehmen verkaufen. Es erwirtschaftet 2 Millionen Euro bereinigtes EBITDA und ein Private-Equity-Fonds hält einen Kaufpreis von rund 14 Millionen Euro grundsätzlich für möglich. Damit wäre dein Unternehmen zunächst mit dem 7-Fachen des EBITDA bewertet.

Das ist aber noch kein endgültiger Kaufpreis.

Zuerst möchte der Fonds verstehen, was er hier eigentlich kauft. Er prüft also nicht nur deinen Jahresabschluss, sondern auch, wie stabil dein Ergebnis wirklich ist.

Wenn beispielsweise 30 Prozent deines Umsatzes von einem einzigen Kunden kommen, ist das ein Risiko. Wenn in den nächsten Jahren eine neue Produktionsanlage für 1 Million Euro notwendig wird, ebenfalls. Und wenn von den ausgewiesenen 2 Millionen Euro EBITDA tatsächlich nur 1,7 Millionen Euro nachhaltig sind, verändert sich die Bewertung sofort.

Bei einem Multiple von 7 bedeutet eine EBITDA-Korrektur von 300.000 Euro bereits 2,1 Millionen Euro weniger Unternehmenswert. Genau deshalb läuft ein Deal in mehreren Schritten ab.

PhaseWas passiert tatsächlich?
Erster KontaktDer Fonds prüft, ob Unternehmen, Branche und Größe grundsätzlich passen
Erste BewertungEBITDA, Wachstum und Markt werden genutzt, um einen möglichen Kaufpreis abzuleiten
LOIDie wichtigsten Eckpunkte des möglichen Kaufs werden festgehalten
Due DiligenceZahlen, Verträge, Steuern, Kunden, Personal und Risiken werden detailliert geprüft
FinanzierungDer Fonds entscheidet, wie viel Eigenkapital und Fremdkapital eingesetzt werden
KaufvertragPreis, Garantien, Haftung und Zahlungsstruktur werden endgültig verhandelt
ClosingKaufpreis wird gezahlt und die Unternehmensanteile wechseln den Eigentümer

Passt Private Equity zu deinem Unternehmen?

Private Equity kann sinnvoll sein, wenn du Wachstum finanzieren, einen Teil deines Vermögens sichern oder eine Nachfolge in mehreren Schritten organisieren möchtest. Es passt besonders dann, wenn der Betrieb belastbare Cashflows, ein eigenständiges Management und konkrete Entwicklungsmöglichkeiten besitzt. Kapital allein macht aus einem schwierigen Unternehmen jedoch keinen guten Beteiligungsfall.

Eher passend ist Private Equity, wenn …

  • dein Unternehmen auch ohne deine tägliche Anwesenheit funktioniert,
  • Umsatz und Ergebnis nachvollziehbar und planbar sind,
  • Wachstumskapital einen konkreten wirtschaftlichen Hebel auslöst,
  • du Kontrolle und Wertzuwachs bewusst teilen willst,
  • ein späterer Verkauf für dich grundsätzlich akzeptabel ist.

Eher unpassend ist Private Equity, wenn …

  • du keine wesentlichen Entscheidungen abstimmen möchtest,
  • der Betrieb stark von deiner Person oder einzelnen Kunden abhängt,
  • Investitionen und Schuldendienst kaum gleichzeitig tragbar sind,
  • du einen dauerhaften Familiengesellschafter ohne Exitabsicht suchst,
  • der höchste sofortige Kaufpreis dein einziges Entscheidungskriterium ist.

Diese Fragen solltest du einem Fonds stellen

Ein gutes Investorengespräch dreht sich nicht nur um Strategiepräsentationen. Es zeigt, wie der Fonds handelt, wenn Umsatz, Finanzierung oder Zeitplan von den Annahmen abweichen.

Checkliste für das erste ernsthafte Gespräch

  • Aus welchem Fonds wird investiert und wie lange läuft er noch?
  • Welche Beteiligungsquote und welche Vetorechte werden verlangt?
  • Wie viel Fremdkapital soll das Unternehmen tragen?
  • Welche Investitionen müssen trotz Schuldendienst möglich bleiben?
  • Welche Gebühren trägt der Fonds und welche das Unternehmen?
  • Welche Rolle sollst du nach dem Closing tatsächlich übernehmen?
  • Wie werden deine rückbeteiligten Anteile bei weiteren Finanzierungsrunden behandelt?
  • Welcher Exitweg wird bevorzugt und wer entscheidet über den Zeitpunkt?
  • Was passiert, wenn Umsatz und EBITDA zwei Jahre hinter dem Plan bleiben?

Quellen