EBITDA: Was die Kennzahl bedeutet, wie du sie berechnest und was sie für deinen Unternehmensverkauf bedeutet

Der EBITDA misst die operative Ertragskraft deines Unternehmens vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Käufer nutzen ihn, weil er Betriebe unabhängig von Finanzierungsstruktur und Abschreibungspolitik vergleichbar macht. Er ist nicht in jedem Verkauf die führende Kennzahl, in den meisten professionellen Prozessen aber schon. Wir zeigen dir, wie man ihn berechnet und was er bedeutet.
Was ist EBITDA?
EBITDA steht für Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization. Auf Deutsch: Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Die Abschreibungen teilen sich dabei in zwei Kategorien.
- „Depreciation“ bezeichnet die Abschreibung auf Sachanlagen wie Maschinen, Fahrzeuge oder Gebäude, während
- „Amortization“ die Abschreibung auf immaterielle Vermögensgegenstände wie Lizenzen, Patente oder Software meint.
Der EBITDA zeigt dir also, wie viel dein Unternehmen operativ erwirtschaftet, bevor Finanzierungskosten, Steuern und sämtliche Abschreibungen abgezogen werden. Das klingt zunächst nach einer abstrakten Rechengröße, hat aber einen sehr konkreten Nutzen. Der EBITDA macht Unternehmen vergleichbar, die unterschiedlich viel in Sachanlagen investiert haben. Schau dir folgendes an:
Zwei Unternehmen in derselben Branche erzielen denselben Umsatz und arbeiten gleich effizient.
- Betrieb A hat vor drei Jahren seinen gesamten Maschinenpark erneuert und schreibt jetzt 200.000 € jährlich ab.
- Betrieb B arbeitet mit älteren, längst abgeschriebenen Maschinen.
Beim EBIT sieht Betrieb A deutlich schlechter aus, obwohl die operative Leistung identisch ist. Der EBITDA gleicht diesen Unterschied aus, weil er die Abschreibungen herausrechnet.
So berechnest du den EBITDA für dein Unternehmen
Für die Berechnung gibt es zwei Wege, die beide zum selben Ergebnis führen. Welchen du nimmst, hängt davon ab, welche Zahlen du gerade vor dir hast.
Weg 1: Vom EBIT aus (der schnelle Weg)
Wenn du deinen EBIT bereits kennst, addierst du einfach die Abschreibungen wieder drauf. Die Formel lautet: EBIT plus Abschreibungen auf Sachanlagen plus Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände ergibt den EBITDA. In der Praxis findest du beide Abschreibungspositionen in deiner GuV oder BWA als separate Posten.
Weg 2: Vom Jahresüberschuss aus (die vollständige Herleitung)
Du startest beim Jahresüberschuss (also dem Gewinn nach Abzug aller Kosten, Zinsen und Steuern) und addierst vier Positionen zurück: den Steueraufwand, den Zinsaufwand, die Abschreibungen auf Sachanlagen und die Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände. Dieser Weg dauert einen Schritt länger, ist aber nützlich, wenn du den EBIT nicht separat ausgewiesen hast.
Damit der Unterschied zwischen EBIT und EBITDA greifbar wird, rechnen wir ein konkretes Beispiel durch.
Rechenbeispiel: Produktionsbetrieb mit 2,5 Mio. € Umsatz
PositionBetragAnmerkungUmsatzerlöse2.500.000 €Materialaufwand875.000 €Personalkosten780.000 €Sonstige Aufwendungen310.000 €Abschreibungen185.000 €Maschinenpark= EBIT350.000 €nach Abschreibung= EBITDA535.000 €vor Abschreibung
Der Unterschied zwischen den beiden Kennzahlen beträgt hier 185.000 €, genau die Höhe der jährlichen Abschreibungen auf den Maschinenpark. Bei einem Dienstleister mit wenig Anlagevermögen wäre der Abstand minimal. Bei einem Produktionsbetrieb wie diesem ist er erheblich und kann die gesamte Bewertung verändern.
Was bedeutet „Bereinigtes EBITDA“?
Genau wie beim EBIT gilt auch für den EBITDA, dass der Rohwert aus der GuV für eine Bewertung nicht ausreicht. Käufer bereinigen den EBITDA, bevor sie ihn als Multiplikator-Basis verwenden. Das Ziel ist dasselbe, nämlich die nachhaltige, operative Ertragskraft deines Unternehmens sichtbar zu machen, bereinigt um alles, was einmalig, inhaberbezogen oder außergewöhnlich ist.
Welche Posten herausgerechnet werden
Herausgerechnet werden vor allem inhaberbezogene und einmalige Posten. Dazu zählt ein Inhabergehalt, das zu niedrig oder zu hoch angesetzt ist, private Kosten, die über die Firma laufen, überhöhte Mieten an dich selbst, einmalige Rechtsstreitigkeiten oder außerordentliche Versicherungserstattungen. All das verzerrt den Blick auf die operative Ertragskraft und muss vor der Bewertung sauber herausgerechnet werden, damit der Käufer sieht, was unter normalen Bedingungen tatsächlich übrig bleibt.
Wenn Abschreibungen die Realität verzerren
Ein Produktionsbetrieb mit veralteten, vollständig abgeschriebenen Maschinen weist häufig einen schönen EBITDA aus, verschweigt dabei aber, dass in den nächsten Jahren hohe Ersatzinvestitionen anstehen. Ein erfahrener Käufer prüft deshalb parallel zum bereinigten EBITDA immer auch den Investitionsbedarf der kommenden drei bis fünf Jahre und zieht ihn bei der Bewertung mit ein.
PositionGuV-WertBereinigtEBITDA (roh)535.000 €Inhabergehalt anheben45.000 €/Jahr90.000 €/JahrPrivater PKW entfernen14.400 €/Jahr0 €Einmaliger Maschinenverkauf+38.000 € Ertrag0 € (raus)= Bereinigtes EBITDA466.400 €
Wie du siehst, sinkt der EBITDA durch die Bereinigung von 535.000 € auf 466.400 €. Der größte Posten ist die Anpassung des Inhabergehalts auf Marktniveau, die das Ergebnis um 45.000 € drückt. Im Gegenzug erhöht die Rückführung des privaten PKW den bereinigten Wert um 14.400 €, weil dieser Aufwand in einem normalen Betrieb so nicht anfallen würde. Schließlich fällt der einmalige Ertrag aus dem Maschinenverkauf in Höhe von 38.000 € weg, weil er sich nicht wiederholen wird.
EBITDA-Marge: dein Benchmark im Branchenvergleich
Die EBITDA-Marge berechnest du, indem du den (bereinigten) EBITDA durch den Umsatz teilst und mit 100 multiplizierst. Bei unserem Produktionsbetrieb ergibt das 535.000 € (466.400 €) geteilt durch 2.500.000 € mal 100, also eine EBITDA-Marge von 21,4 (18,66) Prozent.
Diese Kennzahl ist vor allem bei anlagenintensiven Unternehmen wichtig. Denn hohe Abschreibungen können das Bild verzerren und die operative Stärke kleiner aussehen lassen, als sie tatsächlich ist. Die EBITDA-Marge zeigt dagegen, wie effizient dein Geschäft auf der operativen Ebene wirklich arbeitet, unabhängig davon, wie viel du in Maschinen oder Anlagen investiert hast.
Typische EBITDA-Margen nach Branche
BrancheTypische EBITDA-MargeSaaS / Software25–40 %Produktion / Maschinenbau10–18 %Handwerk12–20 %Gastronomie / Hotellerie8–15 %Logistik / Transport8–14 %
Häufige Fragen zum EBITDA
Was bedeutet EBITDA auf Deutsch?
Wörtlich übersetzt heißt EBITDA „Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen“. Die Abschreibungen umfassen dabei zwei Kategorien: Depreciation für Sachanlagen wie Maschinen oder Fahrzeuge und Amortization für immaterielle Werte wie Lizenzen oder Software.
Was sagt der EBITDA aus?
Der EBITDA sagt aus, wie leistungsfähig dein Unternehmen auf der operativen Ebene ist, unabhängig davon, wie es finanziert ist oder wie viel es in Anlagen investiert hat. Er macht Betriebe vergleichbar, die unterschiedliche Investitionsprofile haben.
Was ist die EBITDA-Marge?
Die EBITDA-Marge zeigt, welcher Anteil deines Umsatzes als operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen übrig bleibt. Sie ist eine zentrale Kennzahl für die Effizienz deines Geschäftsmodells und besonders aussagekräftig bei anlagenintensiven Unternehmen, wo hohe Abschreibungen das Bild sonst verzerren würden.
Was ist eine gute EBITDA-Marge?
Das hängt stark von der Branche ab. Im produzierenden Mittelstand gelten Werte zwischen 10 und 20 Prozent als solide, im Software- und Dienstleistungsbereich sind 25 bis 40 Prozent keine Seltenheit. Entscheidend ist immer der Vergleich innerhalb derselben Branche, nicht der absolute Wert.
Kann ich mit einem negativen EBITDA trotzdem verkaufen?
Ein negativer EBITDA bedeutet, dass dein Unternehmen nicht einmal vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen Geld verdient. Das macht eine Bewertung über das Multiplikatorverfahren praktisch unmöglich. In solchen Fällen greift ein Käufer auf den Substanzwert zurück oder bewertet gezielt einzelne Assets wie Kundenverträge, Markenrechte oder Immobilien.
Welchen EBITDA-Multiple bekomme ich realistisch für mein KMU?
Im deutschen Mittelstand liegen die EBITDA-Multiples für KMU in der Regel zwischen 3 und 7. Kleinere Betriebe mit hoher Inhaberabhängigkeit landen eher bei 3, wachstumsstarke Unternehmen mit stabilen, wiederkehrenden Umsätzen können Multiples von 7 oder höher erzielen. Die Branche, die Ertragsstabilität und die Qualität des Managementteams sind die größten Einflussfaktoren.
Brauche ich einen Steuerberater für die EBITDA-Berechnung?
Den Roh-EBITDA kannst du selbst aus deiner GuV oder BWA ableiten, wenn du die Abschreibungspositionen identifizierst und zum EBIT addierst. Für die Bereinigung empfiehlt sich allerdings professionelle Unterstützung.



