Möglichkeiten der Fremdfinanzierung beim Unternehmenskauf — mit Fokus auf Unternehmensbewertung Mittelstand

Veröffentlicht am
03.12.2025
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Autor
Thomas Passeyrer
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Einführung in die Fremdfinanzierung beim Unternehmenskauf

Die Fremdfinanzierung ist beim Unternehmenskauf ein zentrales Instrument, um den Kaufpreis für ein Unternehmen zu stemmen, ohne das eigene Kapital übermäßig zu belasten. Gerade im Mittelstand ist es selten, dass Käufer den gesamten Kaufpreis aus eigenen Mitteln aufbringen können oder wollen. Hier kommen verschiedene Finanzierungsarten ins Spiel: vom klassischen Bankdarlehen über die Mezzanine Finanzierung bis hin zu Fördermitteln. Jede dieser Finanzierungsformen bietet Unternehmen unterschiedliche Möglichkeiten, Investitionen zu realisieren und die eigene Liquidität zu schonen.

Die Wahl der passenden Finanzierungsmöglichkeiten hängt von vielen Faktoren ab – etwa der Höhe des Kaufpreises, der Bonität des Käufers, der Struktur des Zielunternehmens und den individuellen Zielen. Während Bankdarlehen oft die Basis bilden, können Mezzanine Finanzierungen oder Fördermittel gezielt Lücken schließen und die Finanzierung flexibler gestalten. Wichtig ist, die Bedingungen und Anforderungen jeder Finanzierungsart genau zu prüfen, um die optimale Lösung für das eigene Unternehmen zu finden. So lässt sich der Unternehmenskauf solide und zukunftssicher finanzieren.

Warum die Unternehmensbewertung für den Mittelstand die Grundlage jeder Fremdfinanzierung ist

Ohne belastbare Unternehmensbewertung bekommst du heute im Mittelstand weder ein seriöses Bankangebot noch eine saubere Förderzusage – und selbst der Verkäufer wird nervös. Die Fremdfinanzierung ist beim Unternehmenskauf ein zentrales Instrument, da der Erwerb eines Unternehmens eine bedeutende Investition darstellt, die sorgfältig geplant und finanziert werden muss. Eine fundierte Unternehmensbewertung ist entscheidend, um die Risiken und Chancen einer Unternehmensübernahme realistisch einzuschätzen und die passende Finanzierungsform zu wählen. Warum? Banken denken in Cashflows und Sicherheiten. Förderbanken wollen wissen, was mit ihrem zinsgünstigen Geld passiert. Und der Verkäufer fragt sich, ob du den Kaufpreis realistisch einschätzt, ausreichend Kapital zur Verfügung hast – und ob sein Verkäuferdarlehen in guten Händen ist.

Die gängigen Bewertungsverfahren im Mittelstand, kurz und knackig:

  • Ertragswertverfahren: Das ist im deutschen Mittelstand die Referenz. Im Kern diskontierst du die nachhaltig erzielbaren Erträge (meist EBIT/Free Cashflow) mit einem Risikoaufschlag (WACC). Stärken: individualisierte Sicht auf dein Ziel. Schwäche: Modellannahmen müssen sitzen. Ein wesentlicher Nachteil dieses Verfahrens ist, dass schon kleine Fehler in den Annahmen zu erheblichen Abweichungen beim Unternehmenswert führen können.
  • Multiplikatorverfahren (EBIT/EBITDA-Multiples): Du nimmst eine Kennzahl und multiplizierst sie mit marktüblichen Faktoren aus vergleichbaren Deals. Schnell und praktisch, aber gefährlich, wenn du Branchenunterschiede oder Sondereffekte ignorierst. Ein „Multiple“ von 5 ist im Sanitärhandwerk vielleicht ok – in einem volatilem E-Commerce eher nicht.
  • Substanzwert/Kombination: Was ist hartes Vermögen (Maschinen, Immobilien) wert? In asset-lastigen Betrieben (z. B. Produktion mit eigenem Maschinenpark) oft die Unterkante (Floor) deiner Value Range. Viele Profis arbeiten mit einem Korridor – Substanzwert bis Ertragswert – und passen den Deal darin an.

Was Banken wirklich sehen wollen:

  • Plausible Planungen (3–5 Jahre) mit konservativen Annahmen
  • Nachweis der nachhaltigen Ertragskraft (Bereinigung von Einmaleffekten)
  • Liquiditätsplanung inklusive Zins- und Tilgungsdienstfähigkeit
  • Sensitivitäten: Was passiert, wenn Umsätze 10 % hinter Plan liegen?
  • Saubere Dokumentation der Unternehmensbewertung  im Mittelstand (Methodik, Annahmen, Quellen)

Kurzfall Bäckerei:

Eine regionale Bäckerei mit 6 Filialen, EBITDA nachhaltig 400.000 Euro. Marktmultiple 4,5–5,0 → Unternehmenswert 1,8–2,0 Mio Euro. Substanzwert (Öfen, Fahrzeuge, wenig Immobilien): 700.000 Euro. Ertragswert (konservativ) 1,9 Mio. Der Verkäufer will 2,1 Mio. Bank sagt: Wir finanzieren bei 70 % Beleihung des konservativen Werts → rund 1,3 Mio. Lücke: 800.000. Lösung: 300.000 Verkäuferdarlehen (nachrangig), 400.000 Mezzanine, 100.000 Eigenkapital. Earn-Out über 200.000 bei Ziel-EBITDA als Puffer für die 2,1 Mio Forderung. Plötzlich passt die Finanzierungsstruktur – weil die Bewertung sauber argumentiert ist.

Eigen- und Fremdkapital – Unterschiede, Chancen und Risiken

Bei der Finanzierung eines Unternehmenskaufs stehen Unternehmen grundsätzlich vor der Wahl zwischen Eigen- und Fremdkapital – oder einer klugen Kombination beider Finanzierungsarten. Eigenkapital umfasst das Kapital, das von den Gesellschaftern oder Eigentümern selbst eingebracht wird. Es stärkt die Unabhängigkeit des Unternehmens, verbessert die Bonität und signalisiert Banken und Investoren ein hohes Maß an Engagement. Allerdings ist Eigenkapital oft begrenzt und sollte gezielt eingesetzt werden, um die Eigenkapitalquote zu stärken und als Hebel für weitere Finanzierungen zu dienen.

Fremdkapital hingegen stammt von externen Kapitalgebern wie Banken oder Investoren. Es ermöglicht die Realisierung größerer Investitionen und Unternehmenskäufe ohne das eigene Kapital vollständig einzusetzen. Typische Formen sind Bankdarlehen, Mezzanine Kapital oder Fördermittel. Der Vorteil: Unternehmen können schneller wachsen und ihre Liquidität schonen. Allerdings gehen mit Fremdkapital auch Verpflichtungen einher – etwa regelmäßige Zins- und Tilgungszahlungen sowie die Einhaltung von Kreditbedingungen. Zudem verlangen Banken häufig Sicherheiten und prüfen die Bonität des Käufers sowie die Werthaltigkeit des Zielunternehmens sehr genau.

Die optimale Finanzierungsstruktur hängt von der individuellen Situation ab: Wie hoch ist der Kaufpreis? Wie solide ist die Bilanz? Welche Sicherheiten können gestellt werden? Und wie risikobereit sind die Gesellschafter? Wer die Vor- und Nachteile von Eigen- und Fremdkapital kennt und gezielt kombiniert, findet die passende Lösung für einen erfolgreichen Unternehmenskauf.

Übersicht der Fremdfinanzierungsmöglichkeiten

Bausteine, aus denen du deinen Mix schnürst

Die verschiedenen Mittel der Fremdfinanzierung bilden die Grundlage für den Unternehmenskauf. Es gibt unterschiedliche Finanzierungsformen, wie Eigenkapital-, Fremd- und Mezzanine-Finanzierung, Verkäuferdarlehen oder Earn-Out-Modelle. Jede Finanzierungsform hat eigene Vor- und Nachteile, die bei der Planung berücksichtigt werden sollten.

  • Hausbankkredit: klassischer Investitions- oder Unternehmenskaufkredit, oft 5–10 Jahre Laufzeit, tilgend.
  • Förderdarlehen (KfW, Landesförderbanken): zinsgünstig, lange Laufzeiten, teilweise Haftungsfreistellungen.
  • Bürgschaften: Bürgschaftsbanken (DE), aws-Garantien (AT), Bürgschaftsgenossenschaften (CH) – kompensieren fehlende Sicherheiten.
  • Verkäuferdarlehen (Vendor Loan): nachrangig, vertrauensbildend, bankenseitig oft eigenkapitalähnlich gewertet.
  • Earn-Out: variabler Kaufpreisanteil, der an künftige Performance gekoppelt ist.
  • Mezzanine/stille Beteiligung: nachrangiges Kapital, stärkt Eigenkapitalquote ohne Stimmrechtsabgabe. Hier kann der Leverage-Effekt genutzt werden, um die Eigenkapitalrendite zu erhöhen, birgt aber auch Risiken.
  • Leasing/Factoring: Asset- und Working-Capital-Freischaufler.
  • Private-Equity/Mittelstandsfonds: als Co-Investor oder temporärer Eigenkapitalersatz. Ein starkes Netzwerk an Partnern und Beratern ist hier besonders hilfreich, um die besten Konditionen zu erzielen.

Je nach Situation stehen dir auch alternative Optionen wie stille Beteiligungen, Investoren oder andere externe Mittel zur Verfügung, die von der Bereitschaft der Parteien abhängen.

Eine gute Planung und ein durchdachter Finanzierungsplan sind entscheidend, um die passenden Bausteine auszuwählen und optimal zu kombinieren. Mischfinanzierung ist Standard. Selten trägt ein einziger Baustein die gesamte Last. Dein Job ist es, die Puzzleteile so zu legen, dass Cashflow, Sicherheiten und Risiko zusammenpassen.

Bankkredite und KfW-Förderkredite – wie sie funktionieren und wann sie passen

Hausbankkredit – Erwartungen und Verhandlungshebel

Wenn du mit der Hausbank sprichst, fragen sie in Gedanken drei Dinge:

  • Wie sicher ist der Cashflow?
  • Was ist mein Risiko (Sicherheiten, Haftung)?
  • Wie robust ist der Käufer (Track Record, Management-Fit)?

Typische Spielregeln

  • Eigenkapitalanforderung: 10–30 % des Kaufpreises sind üblich. Je stabiler die Cashflows und je besser die Sicherheiten, desto eher liegst du am unteren Ende. Mezzanine oder Verkäuferdarlehen kann die Quote faktisch senken.
  • Sicherheiten: Verpfändbare Assets (Immobilien, Maschinen, Forderungen), persönliche Bürgschaften, Lebensversicherungen. Fehlen Sicherheiten, kommt die Bürgschaftsbank ins Spiel.
  • Bonitätsprüfung: Bank will Jahresabschlüsse (3–5 Jahre), BWA, Planrechnungen, Businessplan inkl. Übergabekonzept.
  • Private Haftung: Bei KMU-Deals leider oft Teil des Spiels. Mit Bürgschaften lässt sich die persönliche Haftung reduzieren, aber selten ganz vermeiden.
  • Eine zentrale Hürde bei der Finanzierung eines Unternehmenskaufs entsteht durch die strengen Anforderungen der Banken an Sicherheiten und Bonität – diese Hürde muss im Finanzierungsplan frühzeitig berücksichtigt und aktiv adressiert werden.

Verhandlungshebel, die funktionieren

  • Cashflow-Deckungsgrade aufzeigen: Debt Service Coverage Ratio > 1,2x realistisch belegen (z. B. mit Sensitivität −10 % Umsatz).
  • Schrittweise Auszahlungen: Kaufpreis in Tranchen mit Earn-Out koppeln → senkt initialen Kredit.
  • Sicherheitenpool: Kombination aus Bürgschaftsbank + Verpfändung Anlagevermögen + Rangrücktritt beim Verkäuferdarlehen.
  • Beziehungsbonus: Bestehende Kontoverbindung, saubere Kommunikation, schnelle Unterlagen – klingt banal, wirkt Wunder.

KfW-Programme praxisnah nutzen

Förderkredite sind das Rückgrat vieler Nachfolgen. Relevante Produkte (Namen und Nummern ändern sich gelegentlich; unbedingt die aktuelle KfW-Seite checken):

  • ERP-Gründerkredit Gründung und Nachfolge (oft als Nr. 077 geführt): zinsgünstig, lange Laufzeiten, tilgungsfreie Anlaufjahre, teils Haftungsfreistellung für die Hausbank. Quelle: kfw.de.
  • KfW-Unternehmerkredit: für Investitionen und Betriebsmittel in bestehenden Unternehmen; auch für Übernahmen geeignet.
  • Landesförderbanken: L‑Bank (BW), NRW.BANK, WIBank (HE), SAB (SN) etc. bieten ergänzende Programme, oft mit Zinsvorteilen oder zusätzlichen Haftungsfreistellungen.
  • Antragstellung: Immer über die Hausbank (Hausbankprinzip). Sprich zuerst mit deiner Bank, nicht direkt mit der KfW.

Praxis-Tipp: Förderkredit + Bürgschaft kombinieren. Viele Hausbanken sind viel mutiger, wenn 50–80 % des Kreditrisikos durch KfW-Haftungsfreistellung oder Bürgschaft abgesichert sind. Du gewinnst Zinsvorteile und bessere Laufzeiten – häufig 10 Jahre plus 1–2 tilgungsfreie Jahre. Das stabilisiert deinen Cashflow in der Übergangsphase.

Beispiel: Du finanzierst 1,5 Mio Kaufpreis. Struktur: 900.000 KfW-Darlehen (10 Jahre, 2 tilgungsfreie Jahre, Zinssatz unter Marktniveau, je nach Programm), 300.000 Hausbankkredit, 200.000 Verkäuferdarlehen (nachrangig), 100.000 Mezzanine, 100.000 Eigenkapital. Ergibt eine tragfähige Annuität, weil die tilgungsfreien Jahre dich beim Anlauf entlasten. Stichwort: Cash-is-King.

Bürgschaften, Garantien und regionale Besonderheiten in D/A/CH

Deutschland:

  • Bürgschaftsbanken der Länder sichern Bankkredite bis zu 80 % ab, branchenoffen, speziell für KMU und Nachfolge. Typische Obergrenzen und Gebühren sind landesspezifisch (z. B. laufende Provision um 1–1,5 % p. a., einmalige Bearbeitungsgebühr). Spezielle Produkte: „Bürgschaft ohne Bank“ (du sprichst zuerst mit der Bürgschaftsbank). Quelle: buergschaftsbank.de.
  • Bundesgarantien können in Einzelfällen ergänzen (Export, größere Strukturen).

Österreich:

  • aws-Garantie (Austria Wirtschaftsservice): Haftungsübernahme oft bis zu 80 % des Kreditbetrags, auch für Betriebsübernahmen. Es gibt spezielle Varianten für Internationalisierung und Wachstum. Quelle: aws.at.
  • Zusätzlich gibt es regionale Förderstellen (z. B. Wirtschaftsagentur Wien) und die OeKB für Exportthemen.

Schweiz:

  • Bürgschaftsgenossenschaften (z. B. BG Mitte, BG Ost, BG West, SAFFA) mit Bundesrückdeckung. Deckungsquote in der Regel bis zu 65 % des Bankkredits, Kreditbetrag typischerweise bis CHF 1 Mio (Grenzen prüfen). Quelle: bürgschaftsgenossenschaften.ch, seco.admin.ch.

Praxisnutzen

  • Du tauschst fehlende Sicherheiten gegen eine Bürgschaft. Ergebnis: Die Bank senkt ihre Risikoprämie, du bekommst günstigere Konditionen oder überhaupt erst ein OK.
  • Zeit: Rechne bei Bürgschaften mit einigen Wochen für Prüfung. Tipp: Parallel beantragen, damit dein Deal nicht am Zeitfenster scheitert.
  • Ein gut aufgebautes Netzwerk zu Bürgschaftsbanken, Förderstellen und Finanzierungsberatern kann entscheidend sein, um die passenden Bürgschaften zu finden und erfolgreich zu beantragen.

Mini-Checkliste für Bürgschaftsanträge:

  • Businessplan inkl. Übergabe- und Integrationskonzept
  • Unternehmensbewertung (Methodik, Annahmen, Value Range)
  • Jahresabschlüsse 3–5 Jahre, aktuelle BWA
  • Sicherheitenübersicht (privat/betrieblich), Verbindlichkeiten, Leasing
  • Finanzierungsstruktur (inkl. KfW/Landesförderbank, Verkäuferdarlehen, Mezzanine)

Verkäuferdarlehen (Vendor Loan) – Einsatz, Vorteile und vertragliche Fallen

Beim Verkauf eines Unternehmens kann ein Verkäuferdarlehen eine zentrale Rolle spielen: Der Verkäufer bietet dem Käufer an, einen Teil des Kaufpreises als Darlehen stehen zu lassen.

Vendor Loan heißt: Der Verkäufer lässt einen Teil des Kaufpreises als Darlehen stehen. Warum macht er das? Erstens Vertrauen – er signalisiert, dass er an sein Unternehmen glaubt. Zweitens steuerliche/finanzielle Gründe – der Verkäufer kann Verkaufserlös und Besteuerung strecken. Für dich ist es Gold wert, weil die Bank ein nachrangiges Verkäuferdarlehen oft eigenkapitalähnlich wertet.

Vorteile für Käufer und Bank:

  • Senkt den sofort zu finanzierenden Kaufpreis.
  • Zins und Tilgung können an Cashflows angepasst werden (z. B. endfällige Tilgung).
  • Nachrangigkeit und Sicherheitenverzicht erhöhen die Tragfähigkeit der Gesamtstruktur.

Typische Vertragsbausteine:

  • Nachrangvereinbarung gegenüber Bank- und Förderkrediten (Rangrücktritt).
  • Laufzeit 5–7 Jahre, oft mit tilgungsfreier Phase.
  • Verzinsung fix oder variabel; manchmal mit gewinnabhängiger Komponente (partiarisch).
  • Verzicht auf Sicherheiten oder nur schwach besicherte Positionen.
  • Kündigungsrechte eng definieren (kein „jederzeit“; nur bei klaren Covenant-Verstößen).

Praxisbeispiel

  • Kaufpreis 2,1 Mio. Vendor Loan 300.000, 6 Jahre Laufzeit, 2 Jahre tilgungsfrei, 6 % Zins, nachrangig, keine Sicherheiten. Für die Bank wirkt das fast wie zusätzliches Eigenkapital. Ergebnis: bessere Kreditkonditionen.

Warnhinweise:

  • Bonität des Verkäufers prüfen? Ja, zumindest soweit relevant – bei Earn-Out-ähnlichen Ausgestaltungen oder wenn Verkäufer zusätzliche Leistungen erbringt.
  • Fälligkeitsrisiken vermeiden: Keine Ballonfälligkeit mitten in der Hauptkreditphase ohne Rücklage.
  • Steuerrecht: Zinsen sind bei dir Betriebsausgabe, aber beachte Angemessenheit und Verrechnungspreise in Konzernstrukturen. Steuerberatung unbedingt früh einbinden.

Earn-Out-Klauseln – wie sie Bewertungslücken schließen

Ein Earn-Out ist der „Wenn-dann-Teil“ des Kaufpreises. Klingt nach Gamefication, ist aber ein ernstes Instrument, um Risikosymmetrien abzufedern. Die Idee: Ein Teil des Kaufpreises wird nur fällig, wenn definierte Ziele (Umsatz, EBIT, EBITDA, Cashflow) nach Closing erreicht werden.

Earn-Outs bieten eine Option für eine flexible Kaufpreisgestaltung, insbesondere wenn alternative Finanzierungsmöglichkeiten oder die Willensbildung externer Parteien eine Rolle spielen.

Wann sinnvoll:

  • Bewertungsstreit um Zukunftspotenzial (z. B. neue Filiale, Digitaloffensive).
  • Abhängigkeit vom Verkäufer in der Übergabephase (Kundenbeziehungen).
  • Volatile Märkte, unsichere Nachfrage.

Gestaltungspunkte:

  • Kennzahlen klar definieren (z. B. EBIT oder EBITDA nach IFRS/HGB, welche Adjustments?).
  • Messzeiträume (typisch 1–3 Jahre) und Reportingpflichten festlegen.
  • Caps/Floors: Maximaler Earn-Out-Betrag, ggf. Mindestleistung.
  • Prüfungsrecht (Audit, Einsicht in Buchhaltung), Schiedsmechanismus bei Streit.

Vorteile:

  • Verkäufer partizipiert am Erfolg, bleibt motiviert für Übergabe.
  • Käufer reduziert den initialen Finanzierungsbedarf, schiebt einen Teil auf „später, wenn’s läuft“.

Risiken:

  • Manipulationsvorwürfe, wenn KPIs nicht sauber definiert sind.
  • Komplexität in der Abrechnung.

Praxis-Tipp Bankkommunikation

  • Erkläre der Bank, dass der Earn-Out nicht initial finanziert wird und nur bei Cashflow-Erfolg fällig wird. Zeige, wie du ihn aus dem laufenden Ertrag bezahlst (z. B. durch Staffeln nach Jahren 2–3). So bleibt die anfängliche Verschuldung niedriger.

Mezzanine-Kapital und stille Beteiligungen – Bilanz- und Finanzierungsvorteile

Mezzanine ist das „Dazwischen“ – kein reines Fremdkapital, aber auch kein Stimmrechts-Eigenkapital. Beispiele: stille Beteiligung, partiarisches Darlehen, nachrangige Kredite. Warum das spannend ist: In der Bilanz kann Mezzanine (je nach Ausgestaltung) wie wirtschaftliches Eigenkapital wirken. Deine Eigenkapitalquote steigt – Banken lieben das, weil es ihr Risiko senkt.

Wer bietet Mezzanine?

  • Mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBG) der Bundesländer in Deutschland.
  • Öffentliche Fonds, z. B. ERP-Beteiligungsprogramm.
  • Spezialisierte Mezzanine-Investoren.

Vertragsmodalitäten:

  • Vergütung als Mix aus Fixzins + Gewinnbeteiligung.
  • Klare Laufzeit (typisch 5–10 Jahre), Rückzahlung endfällig oder in Raten.
  • Rangrücktritt gegenüber Senior-Darlehen.

Praxinnutzen:

  • Hebel (Leverage): Mit 300.000 Euro Mezzanine kannst du oft zusätzlich 600.000–900.000 Euro Senior Debt heben, weil deine Eigenkapitalquote besser aussieht. Hier greift der sogenannte Leverage-Effekt: Durch die Aufnahme von Mezzanine-Kapital als wirtschaftliches Eigenkapital kann die Eigenkapitalrentabilität gesteigert werden, solange die Fremdkapitalkosten unter der Gesamtkapitalrendite liegen.
  • Keine Stimmrechte: Du behältst die Kontrolle – anders als beim klassischen Private Equity.

Beispiel:

  • Dealvolumen 3 Mio. Eigenkapital 300.000 (10 %). Bank fordert 20 % EK-Quote. Lösung: 300.000 Mezzanine als wirtschaftliches EK, 2,1 Mio Bank-/KfW-Darlehen, 300.000 Vendor Loan. Ergebnis: Formal erreichst du die geforderte Quote, ohne Anteile abzugeben.

Kreative und ergänzende Finanzierungsinstrumente im DACH-Raum

  • Leasing / Sale-and-Lease-Back: Maschinen, Fahrzeuge, IT – raus aus dem Kaufpaket, rein in Leasing. Diese Finanzierungsform bietet Unternehmen die Möglichkeit, Investitionen zu tätigen, ohne sofort hohe Kaufpreise zahlen zu müssen, und senkt so den Fremdkapitalbedarf. Sale-and-Lease-Back kann sogar nach Closing Liquidität bringen.
  • Factoring: Du verkaufst Forderungen und bekommst sofort Cash. Diese Möglichkeit ist ideal, wenn Working Capital klemmt. Banken werten das positiv, weil es Liquidität planbar macht.
  • Business Angels / regionale Investoren: In Nachfolgen seltener als in Startups, aber für Wachstumspläne oder Digitalisierungsprojekte ein guter Baustein und eine weitere Möglichkeit der Finanzierung.
  • Mittelstands-Private-Equity / Fonds (MBG, ERP-Beteiligungsfonds): Als Minderheitsbeteiligung oder Mezzanine – hilft bei großen Lücken und eröffnet zusätzliche Möglichkeiten für Firmen.
  • Internationale Garantien: In AT z. B. aws-Programme für Internationalisierung; in DE/OeKB/Exportkreditgarantien bei Auslandsbezug. In der EU gibt es Programme mit Risikoteilung (z. B. EIF), die Banken nutzen und weitere Möglichkeiten für internationale Geschäfte bieten.

Wann sinnvoll:

  • Hoher Investitionsbedarf in Assets → Leasing vorbereiten.
  • Schnelles Wachstum, langer Zahlungszyklus → Factoring als Möglichkeit nutzen.
  • Export/Internationalisierung → internationale Garantien, OeKB/aws prüfen.
  • Große Bewertungs-/Finanzierungslücke → Private Equity als Co-Pilot und zusätzliche Möglichkeit.

Crowdfunding und Crowdlending – neue Wege der Mittelstandsfinanzierung

Crowdfunding und Crowdlending haben sich in den letzten Jahren als innovative Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen etabliert – auch im Mittelstand. Beide gelten als neue Form der Unternehmensfinanzierung, da sie sich von klassischen Finanzierungsformen wie Bankkrediten oder Private Equity deutlich unterscheiden. Anders als bei klassischen Bankkrediten oder Private Equity-Beteiligungen kommt das Kapital hier von einer Vielzahl privater oder institutioneller Investoren, die über digitale Plattformen zusammenfinden. Das eröffnet Unternehmen ganz neue Wege, ihre Finanzierung zu sichern und den Unternehmenskauf oder die Nachfolge zu stemmen.

Was ist der Unterschied? Beim Crowdfunding stellen viele Unterstützer kleinere Beträge zur Verfügung, meist gegen eine Gegenleistung wie ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Beteiligung am Erfolg. Crowdlending hingegen ist kreditbasiert: Unternehmen nehmen Kredite auf, die von vielen Investoren gemeinsam finanziert werden – oft zu attraktiven Konditionen und mit flexiblen Laufzeiten.

Praktische Checklisten – Vorbereitung auf Bank- und Investorengespräche

Checkliste Unternehmensbewertung im Mittelstand (Unterlagen & Inhalte)

  • Jahresabschlüsse und GuV der letzten 3–5 Jahre (inkl. Erläuterungen, Sondereffekte).
  • Management-Prognosen 3–5 Jahre (Umsatz, EBITDA, Investitionen, Working Capital).
  • Bewertungsmethodik dokumentieren: Ertragswert, Multiple und Substanz – inkl. Annahmen und Quellen.
  • Anlagenverzeichnis, immaterielle Werte (Marken, Software), Kunden- und Lieferantenkonzentration.
  • Übersicht Verbindlichkeiten, Leasingverträge, Off-Balance-Themen (z. B. Mietkauf).

Vollständige und strukturierte Informationen sind für die Gespräche mit Banken und Investoren entscheidend, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen.

Checkliste Finanzierungsmeeting (was Banken/Investoren sehen wollen)

  • Zusammenfassung Finanzierungskonzept: Wer finanziert wie viel, zu welchen Laufzeiten? Mischfinanzierung klar darstellen.
  • Sicherheitenübersicht: Was gibt’s, was fehlt, welche Bürgschaftslösung ist vorgesehen?
  • Cashflow-Plan inkl. Stressszenarien (−10 % Umsatz, +100 bp Zins).
  • Rückzahlungsprofil für alle Tranchen, inkl. Vendor Loan/Earn-Out – kein Ballon ohne Cash-Backstop.
  • Team-Track-Record: Referenzen, Branchenerfahrung, Integrationsplan. Banken finanzieren Menschen.

Entscheidungsscorecard – welcher Finanzierungs-Mix passt zu meinem Deal?

Oft hilft eine einfache Scorecard, um schnell das Spielfeld abzustecken. Sie unterstützt dabei, die verschiedenen Arten der Fremdfinanzierung systematisch zu bewerten. Vergib pro Kriterium 0–5 Punkte (0 = schwach, 5 = stark):

  1. Höhe der benötigten Fremdfinanzierung / Liquiditätsbedarf
  2. Verfügbarkeit von Eigenkapital
  3. Vorhandene Sach- und Immobilien-Sicherheiten
  4. Verkäuferbereitschaft zu Darlehen/Earn-Out
  5. Wachstumspotenzial und Planbarkeit der Cashflows
  6. Förderfähigkeit (KfW/Regionale Programme)
  7. Zeitdruck / Transaktionsgeschwindigkeit (je höher der Druck, desto eher Punktabzug)

Auswertung:

  • 0–12 Punkte: Hohes Risiko oder zu wenig Eigenkapital. Fokus: Mezzanine, Verkäuferdarlehen, evtl. Private Equity als Co-Investor. Struktur konservativ, Earn-Out als Puffer.
  • 13–22 Punkte: Gemischtes Modell. Klassisch: KfW + Bürgschaft + Verkäuferdarlehen/Earn-Out. Sicherheiten selektiv, Cashflow stabil genug.
  • 23–35 Punkte: Günstige Voraussetzungen. Hausbank + KfW reichen oft, ergänzend Mezzanine/Leasing zum Feinschliff.

So wird’s konkret:

  • Score 11 (niedriges EK, wenig Sicherheiten, mittleres Wachstum): 40 % KfW/Hausbank, 30 % Mezzanine (MBG), 20 % Vendor Loan, 10 % Earn-Out. Ziel: Bankrisiko entlasten, Cashflow schonen.
  • Score 18 (solide Cashflows, moderates EK): 60 % KfW/Hausbank mit Bürgschaft, 20 % Vendor Loan, 10 % Mezzanine, 10 % EK. Ziel: Zinsvorteil + Flexibilität.
  • Score 28 (gute Sicherheiten, hoher EK-Anteil): 70 % Hausbank/KfW, 20 % Leasing/Factoring, 10 % EK. Earn-Out optional für Upside-Deal-Struktur.

Risiken, Steuer- und Vertragsaspekte kurz erwähnt

  • Steuer: Zinsen auf Verkäuferdarlehen und Mezzanine sind abzugsfähig, aber beachte Angemessenheit, Fremdvergleich und Zinsabzugsbeschränkungen. Bei bestimmten Finanzierungsformen können jedoch steuerliche oder rechtliche Nachteile entstehen, etwa durch zusätzliche Verpflichtungen oder Herausforderungen bei der Vertragsgestaltung. Earn-Outs können rückwirkend den Kaufpreis verändern – kläre handels- und steuerrechtliche Behandlung (Goodwill-Anpassung vs. erfolgswirksam).
  • Recht: Nachrangvereinbarungen sorgfältig formulieren (Insolvenzfestigkeit, qualifizierter Rangrücktritt). Klare Covenants und Heilungsfristen vereinbaren.
  • Haftung: Persönliche Bürgschaften sind ernst. Prüfe, wie Bürgschaften/Haftungsfreistellungen dich entlasten können. Keine leichtsinnigen Unterschriften.
  • Tipp: Steuer- und Rechtsberatung frühzeitig einbinden – das spart dir in der Due Diligence teure Überraschungen.

Praxisbeispiele / Mini-Fallstudien

Firmen-Übernahme, Süddeutschland:

  • Kaufpreis 2,1 Mio. Hierbei handelt es sich um den Kauf einer Firma, bei dem die Finanzierung eine zentrale Rolle spielt. Struktur: 1,2 Mio Hausbank/KfW (10 Jahre, 2 tilgungsfrei), 250.000 Verkäuferdarlehen (nachrangig, 6 Jahre, 6 %), 500.000 stille Beteiligung (MBG, 8 Jahre, fixe + variable Komponente), 150.000 Eigenkapital. Earn-Out 150.000 über EBITDA-Ziel in Jahr 2–3. Ergebnis: Bank ok, weil Mezzanine und Vendor Loan die EK-Quote heben.

Maschinenbau, Working Capital als Engpass:

  • Kaufpreis 3,5 Mio. 2,0 Mio KfW-Unternehmerkredit + 800.000 Hausbank, 300.000 Vendor Loan, 200.000 EK. Zusätzlich Factoring (70 % der Forderungen) zur Finanzierung des Working Capitals. Effekt: Cashflow-stabil, keine Liquiditätslücke trotz langer Zahlungsziele.

Grenzüberschreitende Übernahme, Österreich:

  • Zielgesellschaft in AT, Kaufpreis 1,8 Mio. Hausbank wollte 50 % Sicherheiten. Lösung: aws-Garantie 80 % auf 1,2 Mio Kredit, restlicher Teil durch Verkäuferdarlehen 250.000, Mezzanine 200.000, EK 150.000. Ergebnis: Machbar trotz dünner Sicherheitenbasis.

FAQs – häufige Fragen

Wie beeinflusst die Unternehmensbewertung im Mittelstand die Kreditvergabe konkret?

  • Die Bewertung bestimmt den „vernünftigen“ Kaufpreis und damit deinen Fremdkapitalbedarf. Banken leiten daraus den Beleihungswert und die Kreditgrenzen ab und setzen Zinsen/Covenants entsprechend des Risikos. Eine sauber dokumentierte Unternehmensbewertung im Mittelstand senkt Unsicherheit – und Unsicherheit kostet Zins.

Kann ich eine Übernahme komplett mit KfW-Krediten finanzieren?

  • Komplett selten. KfW deckt oft einen großen Anteil ab, aber Hausbank, Bürgschaften und Eigenkapital(ersatz) gehören fast immer dazu. Verkäuferdarlehen und Mezzanine schließen Lücken. Antragstellung erfolgt über die Hausbank (Hausbankprinzip).

Ist ein Verkäuferdarlehen immer nachrangig?

  • Häufig ja, aber nicht automatisch. Nachrangigkeit und Rangrücktritt müssen ausdrücklich vereinbart werden. Ohne Nachrang wird die Bank das Darlehen oft als „gleichrangig“ werten – das verschlechtert deine Senior-Konditionen.

Wie vermeide ich Streit bei Earn-Outs?

  • Definiere messbare Kennzahlen, lege Rechnungslegungsstandards fest (HGB/IFRS), vereinbare Prüfungsrechte und einen Schiedsmechanismus. Setze Caps/Floors und klare Zeiträume. Transparenz ist der halbe Frieden.

Wann lohnt sich eine stille Beteiligung statt eines Bankkredits?

  • Wenn die Eigenkapitalquote zu schwach ist oder Sicherheiten fehlen. Mezzanine stärkt deine Bilanz, ohne Stimmrechte abzugeben. Die Kosten sind höher als bei Bankdarlehen, aber der Gesamtmix wird oft erst dadurch bankfähig.

Welche Bürgschaften gibt es regional in D/A/CH?

  • Deutschland: Bürgschaftsbanken der Länder, teils bis 80 % Haftung, Programme wie „Bürgschaft ohne Bank“.
  • Österreich: aws-Garantie, in vielen Fällen bis 80 %.
  • Schweiz: Bürgschaftsgenossenschaften mit Bundesrückdeckung, häufig bis 65 % des Kredits.

Details unbedingt auf den jeweiligen Seiten prüfen.

Muss ich persönlich haften?

  • Oft ja – insbesondere bei kleinen/mittleren Deals. Banken wollen Commitment sehen. Mit Bürgschaften und solider Struktur kannst du die persönliche Haftung manchmal reduzieren oder besser strukturieren, aber komplett vermeiden ist im Mittelstand eher die Ausnahme. Beim Unternehmenskauf sollte auf allem geachtet werden, was die Finanzierung betrifft, um Risiken und Verpflichtungen richtig einzuschätzen.

Empfehlungen für Unternehmen beim Unternehmenskauf

Beim Unternehmenskauf ist die Wahl der richtigen Finanzierungsstrategie entscheidend für den langfristigen Erfolg. Unternehmen sollten daher folgende Empfehlungen beachten:

  • Prüfe alle verfügbaren Finanzierungsarten und deren Bedingungen sorgfältig. Vergleiche klassische Bankdarlehen, Mezzanine Finanzierungen, Fördermittel und alternative Finanzierungsformen.
  • Analysiere die Vor- und Nachteile jeder Finanzierungsart im Hinblick auf Flexibilität, Kosten, Sicherheiten und Einfluss auf die Eigenkapitalquote.
  • Entwickle eine maßgeschneiderte Finanzierungsstrategie, die zu den Zielen und zur Situation deines Unternehmens passt – oft ist eine Mischfinanzierung die beste Lösung.
  • Bewerte die Risiken und Chancen der gewählten Finanzierungsstrategie realistisch. Berücksichtige dabei auch mögliche Veränderungen im Markt oder im Unternehmen.
  • Ziehe strategische Partner oder Investoren in Betracht, um zusätzliches Kapital, Know-how oder Netzwerke zu gewinnen – insbesondere bei größeren Unternehmenskäufen oder Nachfolgelösungen.

Mit einer durchdachten Finanzierungsstrategie und einer klaren Analyse der eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten legst du den Grundstein für einen erfolgreichen Unternehmenskauf und eine nachhaltige Entwicklung deines Unternehmens.

Zukunft der Unternehmensfinanzierung – Trends und Ausblick

Die Unternehmensfinanzierung steht vor einem grundlegenden Wandel. Neue Technologien, veränderte Märkte und das wachsende Bedürfnis nach nachhaltigen Lösungen prägen die Entwicklung – und eröffnen Unternehmen, Nachfolgern und Käufern ganz neue Möglichkeiten, ihren Kapitalbedarf zu decken. Besonders für Firmen entstehen durch innovative Finanzierungsformen und digitale Plattformen neue Wege, Eigen- und Fremdkapital zu beschaffen und die passende Finanzierungsstruktur zu finden.

Digitalisierung und neue Finanzierungsformen - Digitale Plattformen für Crowdfunding, Crowdlending und Online-Kredite gewinnen rasant an Bedeutung. Sie machen es Unternehmen leichter, schnell und flexibel auf Kapital zuzugreifen, Finanzierungsoptionen zu vergleichen und ihre Finanzierungsmöglichkeiten zu diversifizieren. Die klassische Bank bleibt wichtig, aber sie ist längst nicht mehr die einzige Anlaufstelle für Kredite und Finanzierungen.

Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung - Investoren und Kapitalgeber achten zunehmend darauf, wie Unternehmen mit Umwelt, Gesellschaft und Governance umgehen. Wer Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung glaubhaft in seine Unternehmensstrategie integriert, hat bessere Chancen auf Finanzierung – sei es durch Private Equity, Venture Capital oder spezielle Förderprogramme.

Private Equity und Venture Capital auf dem Vormarsch - Gerade im Mittelstand wächst die Bedeutung von Private Equity und Venture Capital Gesellschaften. Sie bringen nicht nur Kapital, sondern auch Know-how, Netzwerke und strategische Unterstützung mit. Für Unternehmen mit Wachstumspotenzial oder in der Nachfolgephase kann das ein entscheidender Vorteil sein – vorausgesetzt, die Beteiligungsstruktur passt zu den eigenen Zielen.

Vielfalt der Finanzierungsmöglichkeiten - Die Zukunft der Unternehmensfinanzierung wird noch vielfältiger: Neben klassischen Krediten, Mezzanine Finanzierungen und Leasing gewinnen neue Finanzierungsarten wie digitale Anleihen, tokenisierte Beteiligungen oder hybride Modelle an Bedeutung. Unternehmen sollten ihre Finanzierungsstrategie regelmäßig überprüfen und flexibel anpassen, um die besten Optionen für ihren individuellen Fall zu nutzen.

Die Rolle der Banken im Wandel - Banken und Kreditgeber werden sich weiterentwickeln müssen: Sie werden stärker als Partner und Berater auftreten, digitale Prozesse ausbauen und neue Produkte entwickeln, um im Wettbewerb mit FinTechs und alternativen Kapitalgebern zu bestehen.

Die kommenden Jahre bieten Unternehmen, Nachfolgern und Käufern zahlreiche neue Wege, ihre Finanzierung zu sichern. Wer offen für Innovationen ist, verschiedene Finanzierungsformen kombiniert und die aktuellen Trends im Blick behält, kann die Herausforderungen der Unternehmensfinanzierung erfolgreich meistern – und sich im Wettbewerb um Kapital und Wachstum optimal positionieren.

Fazit

Wenn du nur drei Dinge mitnimmst, dann diese:

  • Erstens: ohne fundierte Unternehmensbewertung bekommst du im Mittelstand weder den besten Preis noch die beste Finanzierung.
  • Zweitens: Mischfinanzierung ist im Mittelstand Standard – KfW/Hausbank plus Bürgschaften, Verkäuferdarlehen, Earn-Out und Mezzanine.
  • Drittens: Timing und Vorbereitung entscheiden: Wer mit vollständigen Unterlagen, sauberem Plan und klarem Storytelling in die Bank geht, gewinnt Zeit und Konditionen.

Am Ende kommt alles auf eine solide Vorbereitung und die richtige Finanzierungsstrategie an.

Meine drei Tipps für dich:

  1. Erstelle eine belastbare Unternehmensbewertung (am besten extern oder zumindest peer-reviewed), inkl. Ertragswert, Multiple und Substanzwert.
  2. Skizziere eine Musterfinanzierung: KfW + Bürgschaft als Backbone, Vendor Loan und Earn-Out als Lückenfüller, Mezzanine für die EK-Quote.
  3. Führe Bankgespräche erst, wenn alle Unterlagen vollständig sind. Nutze die Scorecard, um deinen Mix zu begründen, und habe Stressszenarien parat.