Family-Office-Investoren: Käufer oder Kapitalpartner für den Unternehmenskauf?
.png)
Family-Office-Investoren verwalten und investieren Vermögen. Natürlich nur dort, wo diese auch Rendite erwarten können. Sie gehören zum Unternehmenskauf, zur Innovation und zu einer möglichen Markterschließung durchaus dazu.
Wir zeigen dir, worauf du achten musst, was die Unterschiede sind und ob sich die Kapitalbeschaffung bei einem Family Office heute noch lohnt.
Was ist ein Family Office beim Unternehmenskauf?
Ein Family Office ist im Kern nichts anderes als die Vermögensverwaltung einer einzigen wohlhabenden Familie. Jemand hat vor zwanzig, fünfzig oder hundert Jahren ein Vermögen aufgebaut. Und weil diese Summe zu groß ist, um sie beim Bankberater um die Ecke liegen zu lassen, stellt die Familie eigene Leute ein, die sich ausschließlich um dieses Geld kümmern.
Das sind oft nur eine Handvoll: ein Geschäftsführer, ein oder zwei Investmentleute, eine Assistenz. Diese kleine Einheit heißt Family Office. Man unterscheidet zwei Arten.
- Ein Single Family Office arbeitet für genau eine Familie.
- Ein Multi Family Office bündelt mehrere Familien unter einem Dach.
Was ist der Unterschied zwischen Family Office und Bank?
Eine Bank und ein Family Office können beide Geld für einen Unternehmenskauf bereitstellen. Wirtschaftlich machen sie aber zwei sehr unterschiedliche Geschäfte.
- Die Bank leiht dir Geld und möchte dieses Geld mit Zinsen zurückbekommen.
- Ein Family Office verwaltet dagegen das Vermögen einer oder mehrerer vermögender Familien und kann dieses Kapital direkt in Unternehmen investieren.
Wie unterscheiden sich Family Office und Private Equity?
Ein Family Office verwaltet in der Regel das Vermögen einer oder mehrerer Familien. Ein Private-Equity-Fonds sammelt dagegen Kapital von verschiedenen Investoren ein und investiert dieses innerhalb einer festgelegten Fondsstruktur.
Bedenke hier jedoch folgendes:
Bei Private Equity solltest du davon ausgehen, dass irgendwann ein weiterer Verkauf stattfinden soll. Beim Family Office kann dagegen eine dauerhafte Beteiligung möglich sein. Dafür hängt die Strategie stärker von den Zielen und Vorstellungen der jeweiligen Familie ab.
Welche Rollen kann ein Family Office konkret übernehmen?
Du kannst beispielsweise 100 Prozent deines Unternehmens verkaufen und vollständig aussteigen. Du kannst aber genauso 30 Prozent verkaufen, weiter Geschäftsführer bleiben und das Family Office lediglich als zusätzlichen Gesellschafter aufnehmen.
Oder du verkaufst überhaupt keine bestehenden Anteile.
Stattdessen investiert das Family Office neues Kapital in dein Unternehmen, damit du einen Wettbewerber übernehmen, einen neuen Standort eröffnen oder weiteres Wachstum finanzieren kannst. Folgendes zeigt dir einige Rollen der meisten Family Offices am Markt:
Was ist der Unterschied zwischen einem Single- und Multi-Family-Office?
Bei einem Single-Family-Office investierst du letztlich mit einer bestimmten Unternehmerfamilie und deren Vermögen. Entscheidungen können dadurch stark von deren persönlicher Investmentstrategie, Erfahrung und langfristigen Zielen geprägt sein.
Bei einem Multi-Family-Office zeigt der Name bereits mehrere Familien als Zusammenschluss. Es kann lediglich Vermögen verschiedener Familien verwalten, Investments für einzelne Mandanten durchführen oder Kapital mehrerer Familien für bestimmte Transaktionen zusammenbringen.
Gut zu wissen: Wenn du ein Unternehmen verkaufen möchtest, suchst du ein Family Office mit eigenem Direktinvestment-Mandat. Wenn du ein Unternehmen kaufen möchtest, suchst du ein Family Office, das gemeinsam mit einem operativen Partner investiert. Das ist nicht immer dieselbe Investorengruppe.
Wie finanziert ein Family Office einen Unternehmenskauf?
Ein Family Office ersetzt selten die gesamte Finanzierung. Meist bildet sein Eigenkapital gemeinsam mit Bankkredit, Eigenmitteln des Käufers und gelegentlich einem Verkäuferdarlehen die vollständige Kaufpreisfinanzierung. Schauen wir uns ein Beispiel mit sieben Millionen Euro Anteilskaufpreis genauer an.
Wie sieht die Finanzierung ohne Family Office aus?
Die Bank ist bereit, 4 Millionen Euro zu finanzieren. Mehr möchte sie nicht bereitstellen, weil Zins und Tilgung auch dann noch tragbar bleiben sollen, wenn das Unternehmen einmal weniger verdient. Der Käufer kann selbst 1 Million Euro einbringen.
Damit fehlen 2 Millionen Euro.
Wie steigt ein Family Office in die Finanzierung ein?
Das Family Office stellt die fehlenden zwei Millionen Euro bereit. Gemeinsam gründen Käufer und Investor eine Erwerbsgesellschaft, die den Betrieb übernimmt. Die Finanzierung sieht dann so aus:
Wem gehört das Unternehmen anschließend?
Würden die Anteile nur nach eingebrachtem Eigenkapital verteilt, erhielte das Family Office zwei Drittel und der operative Käufer ein Drittel. In der Praxis kann die Aufteilung anders aussehen, weil der Käufer zusätzlich Geschäftsführung, Branchenwissen und den Zugang zum Zielunternehmen einbringt.
Möglich wäre beispielsweise:
- Family Office: 60 Prozent
- operativer Käufer: 40 Prozent
Wie verhandelt das Family Office den Kaufpreis?
Entscheidend ist, welchen wirtschaftlichen Wert das Unternehmen hat und welche Rendite mit dem gezahlten Preis noch erreichbar ist.
Dafür wird häufig zunächst das nachhaltige EBITDA betrachtet.
Erwirtschaftet ein Unternehmen beispielsweise 1,5 Millionen Euro bereinigtes EBITDA und hält das Family Office ein Multiple von 6 für angemessen, ergibt sich zunächst:
1,5 Mio. € EBITDA × 6 = 9 Mio. € Unternehmenswert
Das ist allerdings noch nicht automatisch der Kaufpreis für deine Anteile. Vom Unternehmenswert werden normalerweise Finanzschulden abgezogen und überschüssige liquide Mittel hinzugerechnet. Bei 2 Millionen Euro Finanzschulden und 500.000 Euro überschüssiger Liquidität ergibt sich:
Genau an diesen Positionen beginnt häufig die eigentliche Kaufpreisverhandlung.
Was erwartet ein Family Office von einem Unternehmenskäufer?
Wer einen Maschinenbauer übernehmen möchte, muss nicht zwangsläufig bereits selbst einen Maschinenbauer geführt haben. Er sollte aber zeigen können, dass er die Branche, das Geschäftsmodell oder zumindest die Führung eines vergleichbaren Unternehmens versteht.
Benötigt ein Käufer beispielsweise 3 Millionen Euro Eigenkapital für eine Übernahme und möchte selbst nur 50.000 Euro investieren, trägt das Family Office zudem nahezu das gesamte finanzielle Risiko. Folgendes wird also vereinbart:
- Earn-Out-Klauseln: Ein Teil des Kaufpreises wird erst Monate oder Jahre nach dem Kauf gezahlt und zwar nur dann, wenn das Unternehmen bestimmte Umsatz- oder Gewinnziele erreicht.
- Verkäuferdarlehen (Vendor Loan): Der Verkäufer leiht dem Family Office praktisch einen Teil des Kaufpreises. Das Family Office zahlt diesen Teil plus Zinsen über die nächsten Jahre ab.
- Rückbeteiligung: Das Family Office verhandelt oft so, dass der Alt-Eigentümer (z. B. der Gründer) für eine Übergangszeit von 2 bis 5 Jahren noch mit 10 bis 30 Prozent am Unternehmen beteiligt bleibt.
Wie viel Rendite erwartet ein Family Office?
Ein Family Office erwartet von einer direkten Unternehmensbeteiligung normalerweise mehr als von einer breit gestreuten, liquiden Kapitalanlage. Das liegt daran, dass das investierte Geld über Jahre gebunden ist und der Erfolg von wenigen Unternehmen abhängt.
Eine allgemeingültige Rendite gibt es trotzdem nicht.
Welche Rendite erwarten Family Offices vom Gesamtportfolio?
Im Citi Global Family Office Report 2025 erwarteten 45 Prozent der befragten Family Offices eine jährliche Portfoliorendite zwischen fünf und zehn Prozent. Weitere 30 Prozent erwarteten zehn bis fünfzehn Prozent. Diese Werte beziehen sich auf das gesamte Portfolio und nicht auf einen einzelnen Unternehmenskauf.

.png)


