Family-Office-Investoren: Käufer oder Kapitalpartner für den Unternehmenskauf?

Thomas Passeyrer
Thomas Passeyrer
10.09.2026
8 Min. Lesezeit
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Family-Office-Investoren verwalten und investieren Vermögen. Natürlich nur dort, wo diese auch Rendite erwarten können. Sie gehören zum Unternehmenskauf, zur Innovation und zu einer möglichen Markterschließung durchaus dazu.

Wir zeigen dir, worauf du achten musst, was die Unterschiede sind und ob sich die Kapitalbeschaffung bei einem Family Office heute noch lohnt.

Was ist ein Family Office beim Unternehmenskauf?

Ein Family Office ist im Kern nichts anderes als die Vermögensverwaltung einer einzigen wohlhabenden Familie. Jemand hat vor zwanzig, fünfzig oder hundert Jahren ein Vermögen aufgebaut. Und weil diese Summe zu groß ist, um sie beim Bankberater um die Ecke liegen zu lassen, stellt die Familie eigene Leute ein, die sich ausschließlich um dieses Geld kümmern.

Das sind oft nur eine Handvoll: ein Geschäftsführer, ein oder zwei Investmentleute, eine Assistenz. Diese kleine Einheit heißt Family Office. Man unterscheidet zwei Arten.

  • Ein Single Family Office arbeitet für genau eine Familie.
  • Ein Multi Family Office bündelt mehrere Familien unter einem Dach.

Was ist der Unterschied zwischen Family Office und Bank?

Eine Bank und ein Family Office können beide Geld für einen Unternehmenskauf bereitstellen. Wirtschaftlich machen sie aber zwei sehr unterschiedliche Geschäfte.

  • Die Bank leiht dir Geld und möchte dieses Geld mit Zinsen zurückbekommen.
  • Ein Family Office verwaltet dagegen das Vermögen einer oder mehrerer vermögender Familien und kann dieses Kapital direkt in Unternehmen investieren.
BankFamily Office
Beispielinvestment6 Mio. € Kredit3 Mio. € Eigenkapital
Vergütungz. B. 5,5 % Zins p. a.z. B. 15–25 % Zielrendite
Jährliche Belastungca. 330.000 € Zins vor Tilgungkeine feste Zinszahlung nötig
Eigentumsanteil0 %z. B. 30 %
RückzahlungKredit muss getilgt werdenEigenkapital nicht klassisch tilgbar
Laufzeitz. B. 5–10 Jahrehäufig deutlich flexibler
Sicherheitenhäufig erforderlichbei Eigenkapital meist keine klassischen Kreditsicherheiten
Risikobegrenzt, oft vorrangigträgt direkt unternehmerisches Verlustrisiko
Bei WertsteigerungBank erhält weiter Zins und TilgungBeteiligung steigt im Wert
Bei InsolvenzBank wird meist vor Eigenkapital bedientEigenkapital kann vollständig verloren gehen

Wie unterscheiden sich Family Office und Private Equity?

Ein Family Office verwaltet in der Regel das Vermögen einer oder mehrerer Familien. Ein Private-Equity-Fonds sammelt dagegen Kapital von verschiedenen Investoren ein und investiert dieses innerhalb einer festgelegten Fondsstruktur.

Bedenke hier jedoch folgendes:

Bei Private Equity solltest du davon ausgehen, dass irgendwann ein weiterer Verkauf stattfinden soll. Beim Family Office kann dagegen eine dauerhafte Beteiligung möglich sein. Dafür hängt die Strategie stärker von den Zielen und Vorstellungen der jeweiligen Familie ab.

Family OfficePrivate Equity
KapitalFamilienvermögenInvestorenkapital
Haltedauerhäufig flexibelmeist begrenzt
Verkaufnicht zwingendgrundsätzlich vorgesehen
Renditezielindividuellmeist klar definiert
BeteiligungMinderheit oder Mehrheithäufig Mehrheit
Einflusspassiv bis aktivmeist aktiv
Finanzierungindividuellhäufig hoher Fremdkapitalanteil

Welche Rollen kann ein Family Office konkret übernehmen?

Du kannst beispielsweise 100 Prozent deines Unternehmens verkaufen und vollständig aussteigen. Du kannst aber genauso 30 Prozent verkaufen, weiter Geschäftsführer bleiben und das Family Office lediglich als zusätzlichen Gesellschafter aufnehmen.

Oder du verkaufst überhaupt keine bestehenden Anteile.

Stattdessen investiert das Family Office neues Kapital in dein Unternehmen, damit du einen Wettbewerber übernehmen, einen neuen Standort eröffnen oder weiteres Wachstum finanzieren kannst. Folgendes zeigt dir einige Rollen der meisten Family Offices am Markt:

RolleBeispielWas bedeutet das für dich?
Vollständiger Käufer10 Mio. € für 100 %Du verkaufst das Unternehmen vollständig
Minderheitsgesellschafter3 Mio. € für 30 %Du bleibst Mehrheitsgesellschafter
Mehrheitsgesellschafter6 Mio. € für 60 %Family Office übernimmt die Kontrolle
Wachstumskapitalz. B. 2 Mio. € KapitalerhöhungGeld fließt ins Unternehmen statt an dich
Mezzanine-Geberz. B. 2 Mio. € NachrangdarlehenKapital ohne klassischen Anteilsverkauf
Nachfolgepartnerz. B. zunächst 70 %Du kannst schrittweise aussteigen
Co-Investorz. B. 3 Mio. € von 8 Mio. €Family Office investiert gemeinsam mit weiteren Kapitalgebern

Was ist der Unterschied zwischen einem Single- und Multi-Family-Office?

Bei einem Single-Family-Office investierst du letztlich mit einer bestimmten Unternehmerfamilie und deren Vermögen. Entscheidungen können dadurch stark von deren persönlicher Investmentstrategie, Erfahrung und langfristigen Zielen geprägt sein.

Bei einem Multi-Family-Office zeigt der Name bereits mehrere Familien als Zusammenschluss. Es kann lediglich Vermögen verschiedener Familien verwalten, Investments für einzelne Mandanten durchführen oder Kapital mehrerer Familien für bestimmte Transaktionen zusammenbringen.

Gut zu wissen: Wenn du ein Unternehmen verkaufen möchtest, suchst du ein Family Office mit eigenem Direktinvestment-Mandat. Wenn du ein Unternehmen kaufen möchtest, suchst du ein Family Office, das gemeinsam mit einem operativen Partner investiert. Das ist nicht immer dieselbe Investorengruppe.

Wie finanziert ein Family Office einen Unternehmenskauf?

Ein Family Office ersetzt selten die gesamte Finanzierung. Meist bildet sein Eigenkapital gemeinsam mit Bankkredit, Eigenmitteln des Käufers und gelegentlich einem Verkäuferdarlehen die vollständige Kaufpreisfinanzierung. Schauen wir uns ein Beispiel mit sieben Millionen Euro Anteilskaufpreis genauer an.

Wie sieht die Finanzierung ohne Family Office aus?

FinanzierungsbausteinBetrag
Bankkredit4 Mio. €
Eigenkapital des Käufers1 Mio. €
Finanzierungslücke2 Mio. €
Kaufpreis der Anteile7 Mio. €

Die Bank ist bereit, 4 Millionen Euro zu finanzieren. Mehr möchte sie nicht bereitstellen, weil Zins und Tilgung auch dann noch tragbar bleiben sollen, wenn das Unternehmen einmal weniger verdient. Der Käufer kann selbst 1 Million Euro einbringen.

Damit fehlen 2 Millionen Euro.

Wie steigt ein Family Office in die Finanzierung ein?

Das Family Office stellt die fehlenden zwei Millionen Euro bereit. Gemeinsam gründen Käufer und Investor eine Erwerbsgesellschaft, die den Betrieb übernimmt. Die Finanzierung sieht dann so aus:

FinanzierungsbausteinBetragGegenleistung
Bankkredit4 Mio. €Zins, Tilgung und Sicherheiten
Family Office2 Mio. €Unternehmensanteile und Gesellschafterrechte
Operativer Käufer1 Mio. €Unternehmensanteile und operative Verantwortung
Kaufpreis der Anteile7 Mio. €vollständige Finanzierung

Wem gehört das Unternehmen anschließend?

Würden die Anteile nur nach eingebrachtem Eigenkapital verteilt, erhielte das Family Office zwei Drittel und der operative Käufer ein Drittel. In der Praxis kann die Aufteilung anders aussehen, weil der Käufer zusätzlich Geschäftsführung, Branchenwissen und den Zugang zum Zielunternehmen einbringt.

Möglich wäre beispielsweise:

  • Family Office: 60 Prozent
  • operativer Käufer: 40 Prozent

Wie verhandelt das Family Office den Kaufpreis?

Entscheidend ist, welchen wirtschaftlichen Wert das Unternehmen hat und welche Rendite mit dem gezahlten Preis noch erreichbar ist.

Dafür wird häufig zunächst das nachhaltige EBITDA betrachtet.

Erwirtschaftet ein Unternehmen beispielsweise 1,5 Millionen Euro bereinigtes EBITDA und hält das Family Office ein Multiple von 6 für angemessen, ergibt sich zunächst:

1,5 Mio. € EBITDA × 6 = 9 Mio. € Unternehmenswert

Das ist allerdings noch nicht automatisch der Kaufpreis für deine Anteile. Vom Unternehmenswert werden normalerweise Finanzschulden abgezogen und überschüssige liquide Mittel hinzugerechnet. Bei 2 Millionen Euro Finanzschulden und 500.000 Euro überschüssiger Liquidität ergibt sich:

BerechnungBetrag
Unternehmenswert9,0 Mio. €
minus Finanzschulden2,0 Mio. €
plus überschüssige Liquidität0,5 Mio. €
Eigenkapitalwert7,5 Mio. €

Genau an diesen Positionen beginnt häufig die eigentliche Kaufpreisverhandlung.

Was erwartet ein Family Office von einem Unternehmenskäufer?

Wer einen Maschinenbauer übernehmen möchte, muss nicht zwangsläufig bereits selbst einen Maschinenbauer geführt haben. Er sollte aber zeigen können, dass er die Branche, das Geschäftsmodell oder zumindest die Führung eines vergleichbaren Unternehmens versteht.

Benötigt ein Käufer beispielsweise 3 Millionen Euro Eigenkapital für eine Übernahme und möchte selbst nur 50.000 Euro investieren, trägt das Family Office zudem nahezu das gesamte finanzielle Risiko. Folgendes wird also vereinbart:

  • Earn-Out-Klauseln: Ein Teil des Kaufpreises wird erst Monate oder Jahre nach dem Kauf gezahlt und zwar nur dann, wenn das Unternehmen bestimmte Umsatz- oder Gewinnziele erreicht.
  • Verkäuferdarlehen (Vendor Loan): Der Verkäufer leiht dem Family Office praktisch einen Teil des Kaufpreises. Das Family Office zahlt diesen Teil plus Zinsen über die nächsten Jahre ab.
  • Rückbeteiligung: Das Family Office verhandelt oft so, dass der Alt-Eigentümer (z. B. der Gründer) für eine Übergangszeit von 2 bis 5 Jahren noch mit 10 bis 30 Prozent am Unternehmen beteiligt bleibt.

Wie viel Rendite erwartet ein Family Office?

Ein Family Office erwartet von einer direkten Unternehmensbeteiligung normalerweise mehr als von einer breit gestreuten, liquiden Kapitalanlage. Das liegt daran, dass das investierte Geld über Jahre gebunden ist und der Erfolg von wenigen Unternehmen abhängt.

Eine allgemeingültige Rendite gibt es trotzdem nicht.

Welche Rendite erwarten Family Offices vom Gesamtportfolio?

Im Citi Global Family Office Report 2025 erwarteten 45 Prozent der befragten Family Offices eine jährliche Portfoliorendite zwischen fünf und zehn Prozent. Weitere 30 Prozent erwarteten zehn bis fünfzehn Prozent. Diese Werte beziehen sich auf das gesamte Portfolio und nicht auf einen einzelnen Unternehmenskauf.

Erwartete jährliche PortfoliorenditeAnteil der Befragten
Unter 0 Prozent oder unverändertrund 4 %
0 bis 5 Prozent14 %
5 bis 10 Prozent45 %
10 bis 15 Prozent30 %
Mehr als 15 Prozent8 %

Welche sind die größten Family Offices in Deutschland?

Family Office oder FamilienholdingÖffentlich bekannte EinordnungRelevanz für Unternehmenskäufe
JAB HoldingMehr als 70 Mrd. US-Dollar AUMSehr großer, internationaler und sektoral fokussierter Investmentverbund
HQ TrustMehr als 20 Mrd. € AUM und mehr als 50 Mrd. € AUA zum 31.12.2025Multi Family Office; betreutes Vermögen ist kein verfügbares Kaufbudget
SKionBeteiligungsgesellschaft von Susanne KlattenLangfristige Beteiligungen und Nachfolgelösungen, häufig bedeutende Minderheiten
Tengelmann Twenty-OneMehr als 50 BeteiligungenAktiver Family-Equity-Investor mit mehreren Beteiligungsbereichen
Wirtgen InvestEigenes Familienkapital in mehreren AnlageklassenLangfristiger Investor ohne veröffentlichte AUM-Rangzahl
HanielZu 100 Prozent in FamilienbesitzFamily-Equity-Holding, nicht bloß Vermögensverwaltung

Welche Family-Office-Investoren kaufen mittelständische Unternehmen?

InvestorÖffentliches SuchprofilBeteiligungsansatz
Hamelin HoldingEBIT 0,5 bis 5 Mio. €, Marge über 10 %, idealerweise mindestens 20 MitarbeitendeEigenes Kapital und langfristige Nachfolge
QbaboUmsatz ab 5 Mio. €, EBITDA ab 1 Mio. €, profitable Unternehmen in DACHMehrheiten und keine feste Fondslaufzeit
nine21In der Regel EBITDA ab 2 Mio. €, deutschsprachiger RaumMehrheiten, aktiver Gesellschafter, operative Führung beim Management
TequityGesunde Unternehmen meist 5 bis 150 Mio. € Umsatz; 1 bis 20 Mio. € EigenkapitalinvestmentMindestens 51 Prozent, bevorzugt mehr als 75 Prozent
PANGEA UnternehmerkapitalProfitable Nischenunternehmen mit guter MarktstellungMehrheiten und dezentrale Führung